Stellungnahme des BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Nürnberg zum Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan – 14. Änderung

Bereiche Regensburger Straße, nordwestlich des Bannwalds; öffentliche Auslegung des Entwurfs gem. § 3, Abs. 2 BauGB – geplante Ansiedlung eines IKEA-Einrichtungshauses (Bebauungsplan Nr. 4640)

07.04.2017

Geplante Ansiedlung eines IKEA-Einrichtungshauses in Nürnberg, Regensburger Straße

Der BUND Naturschutz (BN) bedankt sich für die Beteiligung am Verfahren und nimmt dazu Stellung wie folgt:

Grundsatzposition

Die beplante Fläche ist trotz ihrer bevorzugten Lage an einer Einfallstraße mit nahezu ungehindertem Autobahnanschluss aus Sicht des BUND Naturschutz zumindest im östlichen Teilbereich gewerblich nur ungenügend genutzt. Gewerbe mit hoher, zwingend Pkw-gebundener Kundenfrequenz wären hier bevorzugt anzusiedeln.

Eine Aufwertung der Bebauung ist daher nicht grundsätzlich abzulehnen. Die erhebliche Erhöhung des Verkehrsaufkommens bedingt aber eine kritische Betrachtung der Maßnahme. Dazu kommt die erhebliche Konkurrenzwirkung für den innerstädtischen Handel, da sich das Angebotssortiment bei Weitem nicht auf Möbel beschränkt. Eine Unterversorgung mit Einrichtungshäusern im Ballungsraum kann der BUND Naturschutz nicht erkennen. Es ist daher von einer Verlagerung des Verkehrs und des Kaufverhaltens auszugehen.

Die Planung hat drastische nachteilige Folgen in vielen Bereichen. Die landesplanerische Bewertung, das Verfahren beinhalte keinen erheblichen Eingriff in Umweltschutzgüter, ist falsch und steht daher eindeutig im Widerspruch zum Umweltbericht! Hier wird z.B. beim Schutzgut „Pflanzen, biologische Vielfalt und Tiere“ von erheblichen Auswirkungen gesprochen.

Situation Reichswald/Regensburger Straße

Die Regensburger Straße verläuft zwischen der Autobahn und dem geplanten Einrichtungshaus praktisch vollständig im Reichswald. Sie hat bereits jetzt aufgrund der Verkehrsbelastung eine erhebliche zerschneidende und verlärmende Wirkung für die angrenzenden Waldgebiete. Eine positive Naherholungsnutzung ist parallel zur Straße großflächig kaum gegeben.

Eine Querung der Regensburger Straße vom südlichen Radweg in den ausgedehnten Reichswald im Norden ist bereits heute nur extrem schwer möglich. Hier spielen nicht nur hohe Geschwindigkeit und Kfz-Menge eine Rolle. Fehlende Anknüpfungspunkte im Wegesystem und mangelnde Querungshilfen (Ampeln) reduzieren den Radweg nahezu auf eine reine Verbindungsfunktion Langwasser/Altenfurt/Fischbach – Zentrum.

Bei einer weiteren Erhöhung des Verkehrsaufkommens muss die Durchgängigkeit der Regensburger Straße für den Rad- und Fußverkehr dringend verbessert werden. Der BUND Naturschutz schlägt dazu folgende Maßnahmen vor:

  1. Bau/Ausbau einer Fuß- und Radwegeverbindung von der Einmündung Breslauer Straße nach Osten, die an das Forstwegesystem anknüpft, welches in Fischbach ca. auf Höhe der Straße „Am Hartgraben“ endet. Direkt an der Ampel Breslauer Straße fehlt östlich ein Stück Weg bis zur Einmündung des Forstwegs. Dies könnte ohne Waldverlust realisiert werden.
  2. Zusätzliche Querung auf Höhe der Freileitungstrasse westlich der Einmündung Breslauer Straße über einen Fußgänger- und Radfahrertunnel. Dies ist aufgrund der Lage unter der Freileitung ohne Waldverlust möglich. So wird eine wichtige Direktverbindung Richtung Holzweiher – Schmausenbuck geschaffen.
  3. Zusätzliche Querung auf Höhe des geplanten Einrichtungshauses über einen Fußgänger- und Radfahrertunnel mit Anknüpfung an das vorhandene Forstwegesystem Richtung Russenwiese.

Eingriffe in den Reichswald/Bannwald zur Verbesserung der Pkw-Verkehrsführung lehnt der BUND Naturschutz ab.

Die Erhaltung des vorhandenen Waldstreifens begrüßt der BUND Naturschutz. Die Maßnahmen zu Umbau, Entwicklung und Verdichtung sind allerdings ungenügend dargestellt und erlauben dem BN keine sichere Bewertung. Ohne verbesserte Begründung kann der BUND Naturschutz den Eingriffen nicht zustimmen.
Der erwähnte Ausgleich der Waldverluste ist in näherem Umfeld aus Sicht des BNs nicht möglich. Daher ist er sowohl naturschutzfachlich als auch stadtökologisch fragwürdig.

Verkehrserschließung mangelhaft

Die extrem breite Angebotspalette spricht gezielt auch Kunden an, die nicht zwingend zum Transport auf ein Kfz angewiesen sind. Selbst die mögliche ÖPNV-Anbindung des Einrichtungshauses über eine Verlängerung der Buslinie 44 ist aus Sicht des BUND Naturschutz ungenügend, zumal diese aufgrund der Randlage im städtischen Liniensystem nicht optimal vernetzt ist. Die Bahnhöfe der unmittelbar benachbarten S-Bahn-Strecke sind für die unmittelbare Erreichbarkeit nicht relevant. Der BUND Naturschutz geht daher davon aus, dass ÖPNV-gebundener Innenstadthandel hier weitgehend durch Privat-Kfz ersetzt würde. Dies ist abzulehnen und das Sortiment entsprechend zu beschränken.

Vielmehr könnte die Verkehrserschließung deutlich verbessert werden. Die Einrichtung einer Carsharingstation speziell für sperrige Güter sei hier nur als eines von vielen Beispielen zu nennen.

Flächenverbrauch und Versiegelung

Das vorgesehene Baugelände ist in der Vornutzung nahezu komplett versiegelt. Im Sinne eines möglichst geringen Flächenverbrauchs ist eine kompakte Bebauung mit drei bis vier Ebenen anzustreben. Dies dient besonders einer flächensparenden Bebauung in der Stadt Nürnberg.

Die Begrünung von Dachfläche sieht der BN grundsätzlich positiv. Allerdings ist eine Dachbegrünung zwingend vorzusehen und nicht nur anzustreben. Gleiches gilt für die Begrünung der ebenerdigen Parkplätze. Maßnahmen über die Stellplatzsatzung hinaus sind zu begrüßen, aber auch im Umfang klar darzustellen und verbindlich festzulegen. Eine „Sollregelung“ ist ungenügend.

Anpassung an den Klimawandel

Das künftig sehr intensiv genutzte Gelände wird sich mit einer großen Baumasse und ausgedehnten Parkflächen zu einer Wärmeinsel entwickeln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch in der näheren Umgebung große Wohnbauvorhaben geplant sind. Aus diesem Grund sollte das Bauwerk und die großen Außenanlagen intensiv begrünt werden. Dazu ist es aus Sicht des BUND Naturschutz notwendig, pro vier Parkplätze die Pflanzung eines großkronigen Laubbaums vorzusehen. Die Stellplätze sollten außerdem mit einem wasserdurchlässigen Belag versehen werden.

Den Eingriff als unerheblich für Klima, Boden und Landschaft darzustellen, hält der BUND Naturschutz für nicht akzeptabel. Vielmehr sind wir der Meinung, dass sich deutliche Auswirkungen auf  das lokale Klima ergeben. Deshalb muss die klimatische Situation bei solchen Vorhaben, z.B. durch Entsiegelung, Begrünung und Schaffung von Schattenbereichen, aktiv verbessert werden. Entsprechende Maßnahmen sind in den Planunterlagen verbindlich festzulegen.

Vollkommen missachtet wird die Summationswirkung von Baumaßnahmen im näheren Umfeld. Dazu gehört insbesondere die Rodung des Walds im Zuge der Bebauung „August-Meier-Heim“ und die Bebauung des Geländes an der Poststraße mit zusammen wohl um die 200.000 Quadratmeter Waldverlust und Induktion entsprechender Verkehrsströme!

Der BN bittet um Berücksichtigung der Anregungen und Bedenken.