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Pressemitteilung 19/2012

Kröten schauen in die Röhre

Pressemitteilung vom 16. September 2012

Ein neuer Tunnelzugang kann die gefährliche Amphibienstrecke zwischen Katzwang und Kornburg entschärfen. Wie am Dutzendteich werden jedoch im gesamten Stadtgebiet sicher tausende von Tieren überfahren.

Die „Fröschli-Träger“ haben als die Identifikationsfiguren des Bundes Naturschutz (BN) bei Erwin Pelzig schon fast literarische Weihen erhalten. Tausende von aktiven Lurch-Liebhabern gehen im Frühjahr an den Schutzzäunen bei Wind und Wetter Patrouille, um den bedrohten Tieren über gefährliche Straßen zu helfen.

Trotzdem ist es grundsätzliches Ziel des Bundes Naturschutz, problematische Straßen über Tunnel und feste Leiteinrichtungen langfristig zu entschärfen. Ehrenamtliche sollen nicht dauerhaft für ein Dilemma herhalten, das der überzogene Straßenbau erst verursacht hat. Zwei aktuelle Beispiele aus dem Stadtgebiet zeigen den zähen Kampf um mehr Schutz für die bedrohte Tiergruppe:

Seit zehn Jahren betreut der BN den Amphibienzaun an der Ringelnatzstraße zwischen Katzwang und Kornburg und konnte so tausende von Tieren vor dem sicheren Verkehrstod bewahren. Nun drängt der BN auch hier immer mehr auf eine nachhaltige Lösung. Mindestens drei Tunnel in der Fahrbahn wären auf dem Abschnitt sinnvoll.

Tunnel für Teichmolch & Co

2012 konnten nun erste Erfolge erzielt werden. Die Hauptwanderrichtung liegt in Greuth entlang eines Grabens, der unter der Straße in einem großen Rohr fließt und dann das Laichgewässer speist. Doch leider ist der Graben in den Wiesen komplett verrohrt und nur ein Gulli zeigte vor kurzem an der Straßenböschung seinen Verlauf. Für Kröten und Molche ein unüberwindbares Hindernis.

  1. In zähen Verhandlungen mit der Straßenbauverwaltung gelang es, den Gulli zu beseitigen und einen flachen Eingang zu bauen. Die nächste Laichwanderung wird zeigen, wie der neue Durchgang angenommen wird.
  2. Ein benachbarter Biobauer verkaufte auf Vermittlung des BN das angrenzende Wiesenstück an das städtische Ökokonto. So kann nun der Landschaftspflegeverband den verrohrten Graben wieder öffnen und einen naturnahen Bach mit Feuchtwiese als „Wanderautobahn“ schaffen.

Herzlicher Dank gilt vor allem den Mitarbeitern von Landschaftspflegeverband, Wasserbau, Wasserrecht, Umweltplanung und Unterer Naturschutzbehörde, die das Anliegen des BN begeistert aufgegriffen und engagiert umgesetzt haben.

Schlachtfeld am Dutzendteich

Problematischer gestaltet sich die Situation am Großen Dutzendteich. Der Großteil der Lurche wandert hier im Frühjahr von ihren Winterquartieren entlang des Langwasserbachs zu Nürnbergs größtem Stillgewässer. Seit der Weltmeisterschaft 2006 quert jedoch eine neue Straßenverbindung die sensible Bachaue. Die Otto-Ernst-Schweizer-Straße wurde asphaltiert und mit großzügigen Parkplätzen beiderseits ausgestattet.

Seitdem kommt es hier im Frühjahr zu wahren Massakern an den heimischen Amphibien. Auf Druck des BN wurden zwar vor zwei Jahren Warnschilder während der Laichzeit aufgestellt, doch die Verkehrszeichen blieben weitgehend wirkungslos. Bei Kontrollen im Frühjahr 2012 konnte BN-Biologe Wolfgang Dötsch auf Straßen und Zufahrten rund um den Langwasserbach 127 überfahrene Kröten und Frösche zählen – der überwiegende Anteil verlor sein Leben auf der Otto-Ernst-Schweizer-Straße. „So wurde der Sommertraum 2006 zum Frühjahrsalbtraum für Amphibien“ klagt der BN-Experte.

Schützende Schranken entfernt

Große Hoffnungen setzte der Naturschutzverband daher auf zwei Schranken, die nördlich und südlich der Otto-Ernst-Schweizer-Straße eingerichtet waren. Sie sollten zumindest während der wichtigsten Wandernächte die Straße absperren. Umso größer war das Erstaunen, als die Schranken nach Vorgesprächen im Frühjahr nun im Sommer 2012 komplett beseitigt wurden. „Zu teuer im Unterhalt und nicht mehr verkehrssicher“, lautete die lapidare Antwort.

„Das schlägt nun dem Fass den Boden aus“, meint dazu BN-Vorsitzender Günther Raß, der am nahen Dutzendteich wohnt. „Während für die Fußballweltmeisterschaft einfach auf kurzem Dienstweg aus der Portokasse eine Straße quer durch den Geschützten Landschaftsbestandteil gebaut wird, fehlt es nachher an ein paar Peanuts, damit nicht hunderte von Kröten plattgewalzt werden.“

Nun soll auf Initiative des BN im Frühjahr ein spezieller Schutzzaun auch hier die Tiere von der Straße abhalten. Doch der Erfolg ist im unübersichtlichen Gelände noch offen. „Wir werden jedenfalls auch 2013 die Augen offenhalten und jedes überfahrene Tier genau erfassen“, kündigt Wolfgang Dötsch an. „Seit 2006 wurden hier vermutlich schon 500 bis 1.000 Tiere überfahren. So kann es nicht weitergehen! Der Blutzoll ist zu hoch.“