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Pressemitteilung 21/2012

BN kritisiert forstliche Eingriffe des Forstbetriebs Nürnberg

Pressemitteilung vom 17. Dezember 2012

Holzfällungen am Glasersberg und entlang von Straßen in der Kritik 

Die Bund-Naturschutz-Kreisgruppen der Stadt Nürnberg und des Landkreises Roth kritisieren forstliche Eingriffe des BaySF-Forstbetriebs Nürnberg. Im stark frequentierten Erholungswald am Glasersberg bei Worzeldorf, der in das Gebiet der Stadt Nürnberg und des Landreises Roth fällt, sind starke Holznutzungen geplant. Der BN kritisiert auch, dass unnötig Rückegassen im Staatswald angelegt werden. So wurden in vielen Bereichen des Nürnberger Reichswalds direkt an den Außengrenzen des Staatswalds über Kilometer hinweg Waldstreifen – angeblich für neue Rückegassen – weggeschlagen, obwohl die Wälder schon durch Rückegassen ausreichend erschlossen sind. „Unserer Ansicht nach setzt hier die Betriebsleitung des Forstbetriebs Nürnberg die falschen Prioritäten und nimmt zu wenig Rücksicht auf die Gemeinwohlfunktionen und die Erholungsfunktion“, kritisiert der BN.

Starke Hiebsmaßnahme am Glasersberg bei Worzeldorf in der Kritik

Am Glasersberg bei Worzeldorf sollen auf Teilbereichen sehr starke Hiebsmaßnahmen durchgeführt werden, bei denen nach BN-Schätzung auf Teilflächen über 50 % der Bäume entnommen werden sollen. Außerdem sollen Holzlagerplätze entlang der von Wanderern vielbegangenen Forststraße angelegt werden. Dazu sollen auf einem wohl einige hundert Meter langen Streifen entlang der Forststraße sämtliche Altbäume gefällt werden, darunter viele dicke, markante Bäume. Bei diesem Wald handelt es sich um einen Erholungswald der Intensitätsstufe 1, um einen regionalen Klima- und Immissionsschutzwald sowie um ein Landschaftsschutzgebiet. Nach einer Veröffentlichung des Bayerischen Forstministeriums zu den Waldfunktionsplänen wird die Waldbewirtschaftung in derartig stark besuchten, stadtnahen Erholungswäldern von der Erholungsfunktion bestimmt. Besonderer Wert soll danach auf einen vielgestaltigen Waldaufbau mit hohem Anteil an alten und starken Bäumen gelegt werden. „Wir wünschen uns eine Waldpflege im gesamten Nürnberger Reichswald, die die Gemeinwohlfunktionen besser berücksichtigt“, so Günther Raß, Vorsitzender der Kreisgruppe Nürnberg. „Der BN kritisiert nicht die Holzentnahme an sich, sondern hält die Maßnahmen in dieser Form in einem Erholungswald der Intensitätsstufe 1 im Verdichtungsraum Nürnberg für nicht angemessen und für nicht vorbildlich im Sinne des Waldgesetzes“, so Raß. Der BN hatte in der letzten Zeit mit dem Forstbetrieb Nürnberg wegen der verschiedenen Kritikpunkte Kontakt aufgenommen und dazu Begänge durchgeführt. „Wir bedauern, dass mit den Vertretern des Forstbetriebs keine Überstimmung erzielt werden konnte und dass von Seiten des Forstbetriebes hier keinerlei Zugeständnisse signalisiert wurden. Wir haben nicht den Eindruck gewonnen, dass der Forstbetrieb Nürnberg unsere Kritikpunkte annimmt und ernsthafte Anstrengungen unternimmt, die Fehlentwicklungen abzustellen“, so Stefan Pieger, stellvertretender Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Roth. Der BN kritisiert deshalb das Krisenmanagement des Forstbetriebs massiv.

Unnötige Baumfällungen für unnötige Forstwege

Aufmerksamen Waldbesuchern oder auch Autofahrern, die im Reichswald unterwegs sind, ist aufgefallen, dass kilometerweit – oft auch beiderseits – entlang von Autobahnen oder anderen Straßen fünf bis zehn Meter breite Waldstreifen weggeschlagen wurden. Auf Nachfrage des BN erläuterte der Forstbetriebsleiter Blank, dass hier Rückegassen angelegt wurden, die direkt auf der Außengrenze des Staatswalds liegen. Auf Rückegassen fahren Forstmaschinen in die Waldbestände und sie dienen der Holzernte und dem Holztransport. Der BN hat einige Fälle überprüft, z.B. am Autobahnkreuz Nürnberg Süd oder bei der Ausfahrt Zollhaus an der A73 beiderseits der Schwanstetter Straße. Dabei hat der BN festgestellt, dass die Wälder schon durch Rückegassen ausreichend erschlossen waren. Früher wurde ja auch schon Holz eingeschlagen und auf Rückegassen transportiert. Somit waren die Schneisen für die Rückegassen nicht notwendig. Zudem sind sich Forstexperten einig, dass Rückegassen an den Außengrenzen im Regelfall nicht sinnvoll sind, weil hier ja nur auf einer Seite Holz zugefällt und dann abtransportiert werden kann. Der BN vermutet, dass diese „Doppelerschließungen“ entlang von Autobahnen vielmehr dazu dienen sollen, die Aufwendungen für die Verkehrssicherung an den Waldrändern zu reduzieren, auch weil das Forstpersonal nach der Forstreform dazu fehlt. „Wir kämpfen als BN mit vielen Waldfreunden für den Erhalt der Waldfläche im Reichswald und kritisieren deshalb diese vielfach völlig unnötige Anlage von Rückegassen. Umgerechnet auf die Straßen, die durch den Reichswald verlaufen, stehen hier ca. 300.000 Laufmeter an Waldrändern und 1.500.000 bis 3.000.000 Quadratmeter an mit Waldbäumen bestandener Fläche auf dem Spiel, die wir zu verlieren drohen“, fasst Pieger die überschlägigen Berechnungen des BN zusammen (hochgerechnet auf einen fünf bis zehn Meter breiten Streifen beiderseits öffentlicher Straßen durch den Reichswald).

Wolfgang Dötsch, Diplom-Biologe, Bund Naturschutz, Kreisgruppe Nürnberg

Richard Radle, Diplom-Biologe, Bund Naturschutz, Kreisgruppe Roth