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Pressemitteilung 3/2012

Im Reichswald ruft der Auerhahn – noch!

Pressemitteilung vom 21. März 2012

Der Fund eines Auerhahns an der Nordspangen-Trasse weist deutlich auf Vorkommen des extrem seltenen Vogels hin. Der bisherige Schutz dieses seltenen Vogels ist ungenügend!

Man kennt ihn aus Naturfilmen, in denen die Männchen im Hochgebirge oder in der Taiga balzen – der Auerhahn. Doch auch im Reichswald direkt vor unserer Haustüre ist der große Hühnervogel heimisch. Da dieses Tier extrem scheu ist, kriegen selbst Vogelexperten ihn nie zu Gesicht. Trotzdem gibt es immer wieder Beobachtungen von Wanderern, welche einen Auerhahn gesehen haben. Also müssen die Tiere im Reichswald noch eine kleine Population haben.

Ein Indiz dafür wurde letzten September in der Kreisgruppe Nürnberg des Bundes Naturschutz abgegeben. Da hatten Pilzsammler aus dem Fränkischen Albverein einen toten Auerhahn direkt an der Trasse der Nordspange westlich von Buchenbühl gefunden. Dieser Fund wurde vom zuständigen Amt für Landwirtschaft und Forsten AELF nachbestimmt und bestätigt. So traurig es ist, ein totes Exemplar zu finden, ist dies doch ein direkter Beweis für das Vorkommen von Auerwild im Reichswald. Besonders brisant ist der Fundort, da das Vorkommen des Auerhahns bei Gutachten zur Nordspange systematisch von gekauften Gutachtern, Forst- und Umweltbehörden totgeschwiegen wird. Durch Leugnen des Vorkommens und der Gefährdung kann aber dringend notwendiger Schutz für den gefiederten König des Reichswaldes nicht etabliert werden. Um den gefährdeten Vögeln im Reichswald eine realistische Überlebenschance zu ermöglichen, fordert der Bund Naturschutz, dass konsequente Maßnahmen im Managementplan festgelegt werden:

  1. kompetente und unabhängige Forschung zum Vorkommen der Tiere im Reichswald (insbesondere Balz und Brutreviere). Gefälligkeitsgutachten der Naturzerstörer sind als Grundlage unbrauchbar.
  2. striktes Betretungsverbot, Erhaltung und Pflege der oft viele Generationen alten Balzplätze mit ihrem Baumbestand
  3. Schutz und Pflege möglicher Brutreviere über waldbauliche Maßnahmen und Wegebau (z.B. über Anlagen von sandigen Huderplätzen)
  4. Verzicht auf großflächige Bannwaldeingriffe wie z.B. die Nordspange

Denn eines muss klar sein: Der Reichswald liegt nach Expertenschätzungen an der absolut untersten Grenze von dem, was eine gesunde Auerwild-Population zum Überleben braucht. Nur bei einer deutlichen Korrektur der Forstpolitik haben die Tiere eine Überlebenschance.

„Der BN wünscht sich, dass der Nachwelt mehr vom Nürnberger Auerhahn bleibt als die Bilder eines Kadavers“, so Wolfgang Dötsch, Biologe beim Nürnberger BN. „Wir sind jedoch zuversichtlich, dass Dinosaurier-Projekte wie die Nordspange eher aussterben als das Auerwild im Reichswald. Auch der aktuelle Planfeststellungsbeschluss strotzt vor naturschutzfachlichen Ungereimtheiten und wird einer BN-Klage schwer standhalten.“