Schwund bei Stadtbiotopen

Das rasche urbane Wachstum Nürnbergs geht dramatisch auf Kosten der Natur. Der BUND Naturschutz ruft zum schonenden Umgang mit Biotopen auf. Am Beispiel der Gundelfinger Straße in Eibach werden Alternativen aufgezeigt. Viele Biotope können als öffentliche Grünflächen integriert werden.

Seit fast 30 Jahren existiert in Nürnberg eine Kartierung der wertvollen städtischen Biotope. 453 wertvolle Flächen wurden 1988 erfasst. Doch der Schutz ließ zu wünschen übrig, sodass zwanzig Jahre später neu erfasst werden musste. Etwa zehn Prozent der Flächen waren einfach bebaut. Allerdings geht der Raubbau an der städtischen Natur weiter, stellt der BUND Naturschutz fest. Dabei könnte manches Biotop mit extensiver Pflege hervorragend in die Bebauung integriert werden.

Grünzug als Vorzeigeprojekt

Paradebeispiel ist der Stadtteil Eibach. Die BN-Ortsgruppe pflegt hier mit dem „Bahnhofswäldchen“ und der „Obstwiese Königshofer Weg“ zwei Stadtbiotope und vermarktet sie im Rahmen des AGENDA-Projekts „Grünzug Eibach“. Mit dem Rad kann man autofrei von der einen zur anderen Fläche kommen. Weitere Biotope und Grünflächen sind am attraktiven Weg. Infotafeln geben wichtige Hinweise. Bürger werden nicht ausgesperrt, sondern zur Naherholung in der Natur eingeladen.
Mit großem Engagement hatte der BN vor über zehn Jahren die Bebauung an der Motterstraße verhindert und dem Stadtteil eine zentrale Grünfläche erhalten. Doch auch dem Paradeprojekt „Grünzug“ droht nun die schleichende Zerstörung.

Biotopachse statt Bebauung

Aktueller Zankapfel ist die Biotopfläche an der Gundelfinger Straße. Magere Wiesen, Hecken und Gehölzgruppen bilden hier schon heute eine kleine Traumlandschaft. Zauneidechsen fühlen sich wohl. Die gefährdete Platterbsenwicke und das Silber-Fingerkraut gedeihen auf den blütenreichen Wiesen.
Die Stadt Nürnberg will die Fläche nun komplett bebauen. Aus Sicht des Naturschutzverbands ist das ein Unding, denn der Stadtteil Eibach hat heute schon erheblichen Grünmangel. Obwohl an der Peripherie gelegen, ist er im Osten von S-Bahn, Frankenschnellweg und Hafen komplett abgeriegelt. Zur Rednitz im Westen gibt es nur wenige Zugänge. „Der Bauboom sorgt selbst in den eigentlich grünen Vororten für einen Grünflächenmangel“, argumentiert Gerd Schlestein vom BN. „An der Gundelfinger Straße gäbe es die einzigartige Möglichkeit, den Grünzug im Osten mit der Wohnbebauung über einen attraktiven Weg zu verknüpfen.“

Flächenfressende Billigbebauung

Was den Naturschützern besonders aufstößt: Statt Keller sollen ebenerdige Kellerersatzräume gebaut werden. „Für flächenverschwendende Bebauung ist unsere wertvolle Stadtnatur zu schade. Wenn die Stadt so plant, zeigt sie eindrucksvoll, dass zukunftsfähige Stadtentwicklung abgedankt hat“, moniert Gerd Schlestein.

Bauverbot für Biotope!

Der BUND Naturschutz fordert daher die Erhaltung der Biotopfläche Gundelfinger Straße. Grundsätzlich muss die Stadt kartierte Biotope von der Bebauung ausnehmen und Alternativflächen vorziehen. Damit kann man aus Sicht des BN nicht nur der städtischen Natur nützen, sondern auch Grünflächen sichern.

Zauneidechsen packen Koffer

Gerade der ökologische Ausgleich kann dies nicht leisten. Der erste Etappensieg ist für den Naturschutzverband daher ein Wermutstropfen: Die Zauneidechsen an der Gundelfinger Straße wurden nach den Protesten aufwendig eingefangen und umgesiedelt.