Bebauungsplan Nr. 4677: Positive Stellungnahme zur städtebaulichen Entwicklung des ehemaligen US-Kohlenhofgeländes in Nürnberg-Gebersdorf
Bereich Rothenburger Straße, Diebacher Straße und Gebersdorfer Straße
Sehr geehrte Damen und Herren,
die Kreisgruppe Nürnberg des BUND Naturschutz in Bayern e. V. begrüßt grundsätzlich die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung des ehemaligen US-Kohlenhofgeländes in Nürnberg-Gebersdorf.
Das Vorhaben bietet die Chance, eine bereits weitgehend versiegelte, anthropogen überformte Fläche einer neuen, städtebaulich sinnvollen Nutzung zuzuführen und damit einen Beitrag zur flächensparenden Stadtentwicklung zu leisten.
1. Vorrang der Innenentwicklung vor zusätzlichem Flächenverbrauch
Der BUND Naturschutz fordert seit Jahren, die fortschreitende Inanspruchnahme bislang unbebauter Böden und Grünflächen zu beenden und den Wohnungs- und Gewerbeflächenbedarf vorrangig durch die Umnutzung bereits bebauter oder versiegelter Flächen zu decken.
Das vorliegende Projekt entspricht diesem Ziel in besonderer Weise.
Nach dem geotechnischen Bericht der Genesis Umwelt Consult GmbH vom 24. März 2020 umfasst das Untersuchungsgebiet rund 4,9 Hektar. Das nördliche, rund 3,2 Hektar große ehemalige US-Kohlenhofgelände wird darin ausdrücklich als unbebaut und versiegelt beschrieben. Das südliche Plangebiet war zum Untersuchungszeitpunkt überwiegend durch einen Lebensmittelmarkt sowie zugehörige Park- und Verkehrsflächen geprägt.
Damit handelt es sich um einen Standort, an dem eine städtebauliche Neuordnung grundsätzlich möglich ist, ohne hierfür in vergleichbarem Umfang bislang unberührte Landschaftsflächen in Anspruch nehmen zu müssen.
Dies entspricht dem Vorrang der Innenentwicklung gemäß § 1 Abs. 5 BauGB sowie dem Gebot des sparsamen und schonenden Umgangs mit Grund und Boden gemäß § 1a Abs. 2 BauGB.
2. Ökologischer Mehrwert durch Entsiegelung und Begrünung
Die Neuentwicklung sollte nicht lediglich eine bestehende Versiegelung durch neue Gebäude und Verkehrsflächen ersetzen. Vielmehr muss sie zu einer messbaren ökologischen Aufwertung des Standorts führen.
Der BUND Naturschutz spricht sich deshalb für eine Planung aus, die möglichst große zusammenhängende, unversiegelte Grünflächen, standortgerechte Baumpflanzungen sowie begrünte Dächer und Fassaden vorsieht.
Besondere Bedeutung kommt der Verbesserung des Stadtklimas, der Verschattung, der Förderung der biologischen Vielfalt und einer naturnahen Regenwasserbewirtschaftung zu.
3. Berücksichtigung der Boden- und Wasserverhältnisse
Das vorgelegte Baugrundgutachten bestätigt, dass die vorhandenen natürlichen Bodenschichten unter bestimmten Voraussetzungen grundsätzlich als Gründungshorizont geeignet sind. Zugleich weist es auf künstliche Auffüllungen, örtlich auftretendes Stauwasser sowie unterschiedliche Versickerungseigenschaften des Untergrunds hin.
Diese Befunde stehen einer städtebaulichen Entwicklung nicht grundsätzlich entgegen, verlangen jedoch eine fachgerechte Berücksichtigung bei der weiteren Planung.
Da sich das Untersuchungsgebiet innerhalb der Wasserschutzzone III B befindet, ist dem vorsorgenden Grundwasserschutz besondere Bedeutung beizumessen.
4. Nachhaltige Mobilität und städtebauliche Nutzungsmischung
Positiv bewertet der BUND Naturschutz die Möglichkeit, das neue Quartier im Zusammenhang mit der vorgesehenen U-Bahn-Erschließung zu entwickeln. Eine leistungsfähige Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr bietet die Chance, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und ein Quartier mit kurzen Wegen zu schaffen.
Die vorgesehene Nutzungsmischung aus Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel und sozialen beziehungsweise gesundheitlichen Einrichtungen kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten.
5. Schlussfolgerung
Die Kreisgruppe Nürnberg des BUND Naturschutz unterstützt die städtebauliche Entwicklung des ehemaligen US-Kohlenhofgeländes grundsätzlich. Das Projekt kann beispielhaft zeigen, wie die Stadt Nürnberg zusätzlichen Wohn- und Nutzraum schaffen kann, ohne hierfür immer neue Grün- und Freiflächen in Anspruch zu nehmen.
Voraussetzung für unsere positive Bewertung ist, dass die Planung konsequent auf Flächensparen, Entsiegelung, Klimaanpassung, Baumerhalt, Biodiversität und eine umweltverträgliche Verkehrserschließung ausgerichtet wird.
Wir bitten die Stadt Nürnberg, diese Ziele bei der weiteren Planung verbindlich zu berücksichtigen.



