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Amphibien in Nürnberg

Liebe Amphibienfreunde,

Nürnberg hat mit zwölf Amphibienarten eine relativ reichhaltige Fauna.

Trotzdem ist dieser bescheidene Artenreichtum für den Laien schon schwer zu überschauen. Vielleicht lohnt sich daher auch das Stadtgebiet, um sich näher mit dieser faszinierenden Tiergruppe zu beschäftigen. Denn nur etwa fünf Arten gelten hier als häufig oder verbreitet.

In der vorliegenden Übersicht haben wir versucht, die Amphibien Nürnbergs für Sie zusammenzustellen. Hier würden uns Meldungen besonders freuen, die den Wissensstand erweitern.

Die Bewertungen der Häufigkeit richten sich nach dem Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) und der Stadtbiotopkartierung (2007). Bei einigen Arten wurde das korrigiert, da sich in den letzten Jahren doch Veränderungen und neue Erkenntnisse ergeben haben.

Gefährdung

Der Rückgang unserer Lurche ist erschreckend. Fünf Amphibienarten im Stadtgebiet gelten als stark gefährdet, zwei als gefährdet.
Der Klimawandel trägt über die Austrocknung von Laichgewässern sicher zum Rückgang bei. Selbst wenn Gewässer nicht komplett verschwinden, ändert sich vollständig die Ökologie. Auch Amphibienkrankheiten stellen eine neue Gefahr dar. Ein ungelöstes Problem sind weiterhin die großen Verluste durch den Straßenverkehr und durch Kulturfallen, wie Gullys oder Lichtschächte. Amphibienschutzaktionen an Straßen und die Neuanlage von Laichgewässern können die Verluste vermutlich nicht annähernd ausgleichen.
Wir haben die Gefährdung nach den gängigen Roten Listen zusammengestellt. Hier können sich Bewertungen relativ schnell ändern, daher erbitten wir dazu Rückmeldung.

Helfen Sie mit!

Amphibienschutz ist eine der Kernaufgaben des BUND Naturschutz. Als „Fröschliträger“ werden Naturfreunde hier liebevoll portraitiert. Der BUND Naturschutz betreut zwei Wanderstrecken am Dutzendteich und bei Kornburg (Greuth). Eine dritte Wanderstrecke bei den Stockweihern bei Weiherhaus ist in Planung. Daneben sind etliche BN-Biotope wichtige Laichgewässer. Besonders hervorzuheben ist das Biotop im Volkspark Marienberg.

Helfen Sie uns bei den Schutzaktionen (Tel.: 0911/45 76 06, w.doetsch@bund-naturschutz-nbg.de).

Wesentlich wichtiger ist aber der Schutz und die Pflege der Laichgewässer. Selbst kleine Maßnahmen kosten hier oft schon tausend Euro. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Spendenkonto
Sparkasse Nürnberg
IBAN: DE75 7605 0101 0001 0085 51
BIC: SSKNDE77

Links:

Artrelative HäufigkeitRL DRL BYbevorzugte Lebensraumtypen in Nürnberg

Salamandra salamandra
Feuersalamander

ss-3Laichgewässer sind im Stadtgebiet nicht bekannt. Aus dem im östlich anschließenden Reichswald bestehenden Vorkommen können Tiere im Stadtgebiet von Brunn/Birnthon angetroffen werden. Selten wurden Tiere westlich der Autobahn am Höhenzug Schmausenbuck gefunden. Ein größeres Vorkommen am Hutberg könnte sich über den Katzenbach in den Reichswald bei Altenfurt erstrecken. Kein Nachweis in der aktuellen Stadtbiotopkartierung

Ichthyosaura alpestris
Bergmolch

s--

in Tümpeln und Teichen, überwiegend im Reichswald, fehlt meist im urbanen Bereich; Nachweis am BN-Amphibienschutzzaun Kornburg (Greuth)

Lissotriton vulgaris
Teichmolch

v--im gesamten Stadtgebiet verbreitet, kann sich auch in Bereichen der Kernstadt behaupten, die keine natürlichen Gewässer haben (z.B. über Gartenteiche)

Triturus cristatus
Kammmolch

ssV2Ein Vorkommen um den Flughafen zwischen Golfplatz und Ziegelstein ist gegebenenfalls durch den Klimawandel bedroht, da die Laichgewässer austrocknen (Bärensee). Das Vorkommen im Reichswald bei Brunn/Birnthon ist noch aktuell. Ein Laichgewässer im Wald südlich Birnthon 2020 (außermärkisch). Die Stadtbiotopkartierung nennt ein Laichgewässer bei Netzstall. Ein weiteres Vorkommen am Worzeldorfer Berg ist evtl. nicht mehr aktuell.
Bombina variegata
Gelbbauchunke
ss22

Nur ein dauerhaftes Vorkommen im Stadtgebiet am Worzeldorfer Berg (Hohlsteinbruch). Wandernde Tiere und Laichgewässer im umgebenden Reichswald sind nicht bekannt. Ein historisches Vorkommen am benachbarten Glasersberg ist wohl nicht mehr aktuell. Davon abgesehen gibt es einige Populationen im Reichswald, die bei Schaffung geeigneter Lebensräume auch in Nürnberg angetroffen werden könnten (z.B. am Buchenbühl 2020, am ehemaligen Airfield 2020 oder südlich Birnthon 2020).

Bufo bufo
Erdkröte
v--Die Art ist im Stadtgebiet weit verbreitet und kann auch Gartenteiche besiedeln. Größere Laichgesellschaften sind selten. Die BN-Amphibienschutzaktion am Dutzendteich ist im Vergleich zur Gewässergröße klein.
Epidalea calamita
Kreuzkröte
ssV2Kleine, ephemere Gewässer. Die Art kann erstaunlicherweise auch in Regenüberlaufbecken südlich der A6 über viele Jahre erfolgreich laichen. Insgesamt jedoch starker Rückgang selbst der größeren Vorkommen aufgrund Zerstörung der Lebensräume (z.B. Langwasser, Hafengebiet). Ausgleichsmaßnahmen sind oft aufgrund kleiner und isolierter Lebensräume fragwürdig. Vorkommen z.B. auch am Moorenbrunnfeld und südlich der A6 zwischen Rednitz und Kornburg. In der Stadtbiotopkartierung sind nur noch drei Vorkommen nachgewiesen.
Pelobates fuscus
Knoblauchkröte
ss32Ursprünglich in Teichen bei Krottenbach, Kleingründlach, Greuth und Reutles. An den beiden letzten Standorten seit längerer Zeit verschwunden. Gegebenenfalls sind nur noch die Populationen im Volkspark Marienberg und im Rednitztal existent. In der Stadtbiotopkartierung ist aber nur das Vorkommen vom Marienberg belegt. Tiere aus dem Volkspark können dort allerdings in relativ großer Entfernung zum Laichgewässer angetroffen werden (z.B. in den umgebenden Kleingärten, an der Marienbergstraße oder sogar an den Tucherweihern 2019).
Hyla arborea
Laubfrosch
ss32

Einzelfunde am Worzeldorfer Steinbruch (ohne aktuellen Nachweis) und südlich des Flughafens (Ersatzlaichgewässer Neuwieder Straße). Das Vorkommen bei Pillenreuth ist wohl Ende der achtziger Jahre erloschen. Der Erfolg eines Wiederansiedlungsprojekts ist noch offen. Allerdings fehlt großräumig der Kontakt zu Nachbarpopulationen. Kein Nachweis in der aktuellen Stadtbiotopkartierung

Rana temporaria
Grasfrosch
v-VDer Grasfrosch ist eines der häufigsten Amphibien im Stadtgebiet, das wie Erdkröte und Teichmolch auch Siedlungen über Gartenteiche dauerhaft besiedeln kann. Daneben nutzt er in der Natur eine Vielzahl von Laichgewässern. Er nimmt auch kleine, mäßig beschattete Gewässer im Wald, selbst wenn sie nur kurzzeitig Wasser führen. Dort ist er dann z.T. die einzige Amphibienart.
Pelophylax esculentus
Teichfrosch
v--

Die „Grünfrösche“ Teichfrosch, Kleiner Wasserfrosch und Seefrosch sind in vielen Fällen nur genetisch zu unterscheiden. Sichere Meldungen für das Stadtgebiet sind daher selten.
Der Teichfrosch ist ein Bastard der beiden anderen Arten.

Pelophylax lessonae
Kleiner Wasserfrosch

ss?G§

Die „Grünfrösche“ Teichfrosch, Kleiner Wasserfrosch und Seefrosch sind in vielen Fällen nur genetisch zu unterscheiden. Sichere Meldungen für das Stadtgebiet sind daher selten.
Von P. lessonae sind keine genetischen Nachweise aus dem Stadtgebiet bekannt. Der „Nürnberger“ Fundort von M. Mayer liegt von den Koodinaten am Wernloch bei Wendelstein (Lkr. Roth). Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die Art in der Nähe vorkommt.

Pelophylax ridibundus
Seefrosch
ss--

Die „Grünfrösche“ Teichfrosch, Kleiner Wasserfrosch und Seefrosch sind in vielen Fällen nur genetisch zu unterscheiden. Sichere Meldungen für das Stadtgebiet sind daher selten.
In der Stadtbiotopkartierung nur im Pegnitztal West und im BN-Biotop Reutles nachgewiesen. Dort auch ein aktueller Fund von 2020. M. Mayer gibt in seiner Untersuchung des östlichen Pegnitztals P. ridibundus an.

 

Legende

Rote Liste Bayern
V (Vorwarnliste) und D (Daten defizitär) stehen als „potenziell gefährdet außerhalb der Roten Liste", werden nicht als gefährdet eingestuft = nicht in Kurzfassung der Roten Liste enthalten
0: ausgestorben oder verschollen
1: vom Aussterben bedroht
2: stark gefährdet
3: gefährdet
R: extrem seltene Arten und Arten mit geografischen Restriktionen

Rote Liste Deutschland
0: ausgestorben oder verschollen
1: vom Aussterben bedroht
2: stark gefährdet
3: gefährdet
R: extrem selten
G: Gefahr anzunehmen
V: Vorwarnliste
D: Daten ungenügend
§: nach BArtSchV besonders geschützt
FFH: geschützt nach FFH-Richtlinie, Anhang II und IV

Relative Häufigkeit
ss: sehr selten
s: selten
z: zerstreut
v: verbreitet
h: häufig

Quellen

  • Arten- und Biotopschutzprogramm Bayern, Stadt Nürnberg (1996), Bayerisches Landesamt für Umweltschutz u. Stadt Nürnberg, Umweltreferat
  • Artenschutzkartierung Nürnberg, Faunistischer Teil der Stadtbiotopkartierung (2008), IFANOS Planung
  • Stadtbiotopkartierung Nürnberg (1988), Ökologisch-Faunistische Arbeitsgruppe (ÖFA)
  • Kartierung der BN-Biotope in Nürnberg (1997-2020), Wolfgang Dötsch
  • Diplomarbeit: Vegetation von Entwässerungsgräben und umgebenden Grünland (1998), Wolfgang Dötsch
  • Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.), 1998. Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands
  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (Hrsg.). 2019. Rote Liste und Gesamtartenliste der Lurche (Amphibien) Bayerns.
  • Salamandra 49/1, (2013) Composition of twenty Green Frog populations (Pelophylax) across Bavaria, Germany, Martin Mayer et al.

Einzeldaten und Korrekturen:

  • Ellen Mardach (BN)
  • Heike Wirth
  • Edgar Freund
  • Joachim Schreiner

Fotos (soweit nicht anders erwähnt): Wolfgang Dötsch