Plastikflut: Was können WIR dagegen tun?
Wie lässt sich die zunehmende Plastikflut eindämmen – und welche Maßnahmen wirken tatsächlich? Mit diesen Fragen beschäftigte sich am Dienstag, den 29. September eine gut besuchte Podiumsveranstaltung des Arbeitskreises Plastik des BUND Naturschutz Nürnberg im Eckstein.
Bereits im Foyer informierten verschiedene Stände über Ursachen und Folgen der Plastikverschmutzung. Unter anderem sorgte ein Quiz zu den Zerfallszeiten verschiedener Kunststoffprodukte für Aha-Momente. Denn Plastik „verrottet“ nicht einfach, sondern zerfällt in immer kleinere Bestandteile und bleibt als Mikroplastik langfristig in der Umwelt. Eine Grafik verdeutlichte speziell die Problematik von Einwegplastik.
An einem weiteren Tisch wurden Möglichkeiten zum plastikfreien Einkauf gezeigt, unter anderem Zahnputztabletten, Döschen für deren trockene Aufbewahrung und Bambuszahnbürsten sowie unverpacktes Obst und Gemüse oder Molkereiprodukte in Mehrwegflaschen.
Die Veranstaltung beleuchtete das Thema anschließend aus unterschiedlichen Perspektiven. Auf dem Podium diskutierten Waltraud Galaske vom BUND Naturschutz Fürth, Helge Kropat von der Stadt Konstanz, die Umweltreferentin der Stadt Nürnberg Britta Walthelm sowie Tom Kurz vom Bündnis Exit Plastik aus Berlin.
Plastikflut: von der Wegwerfgesellschaft zur Kreislaufwirtschaft
Eröffnet hat den Vortragsreigen mit Waltraud Galaske eine lokale „Müllkonzept-Ikone“. Sie setzt sich seit Mitte der 1980er Jahre für die Verschlankung der städtischen Müllberge ein. Ihr Engagement hat unter anderem dazu geführt, dass deutscher Müll den verschiedenen Wertstoffkreisläufen zugeführt wird. Ausnahme: Plastik. Das Einsammeln von Plastikmüll liegt in der Hand von Privatunternehmen. Der weitere Weg des Plastikmülls ist schwer nachzuvollziehen. So landet viel zu viel unseres deutschen Plastikmülls in Regionen dieser Welt, die das Einführen und Ablagern kaum kontrollieren können.
Waltraud Galaske machte deutlich, dass Plastikverschmutzung weit über Verpackungsmüll hinausgeht. So wurde der Verkehrssektor mit rund 40 Prozent als größter Eintragspfad von Kunststoffen in die Umwelt genannt – insbesondere durch Reifenabrieb.
Besonders aufschlussreich waren die Erfahrungen aus Konstanz. Helge Kropat berichtete über die dort eingeführte Verpackungssteuer, der er zunächst skeptisch gegenübergestanden habe. Inzwischen befürworte er sie, da sie die Vermüllung im öffentlichen Raum erkennbar reduzierte. Auch das oft beschworene „Bürokratiemonster“ bestätige sich nach seinen Erfahrungen nicht. Die Stadt fand gemeinsam mit den Betrieben eine aufwandsarme Lösung, und wer auf Mehrweg umstellt, kann die Abgabe sogar vermeiden – genau darin liegt die gewünschte Lenkungswirkung.
Sein Fazit: Die Einführung der Verpackungssteuer lohnt sich sowohl finanziell als auch im Hinblick auf die Reduzierung von Einmalplastik. In Konstanz werden durch die Einführung verschiedener Mehrwegkonzepte (unter anderem auch des RECUP-Mehrwegsystems für Getränke) hunderttausende Einwegbecher vermieden. Die Einnahmen der Verpackungssteuer werden für nachhaltige Projekte der Stadt verwendet.
Auch Nürnberg hat laut Britta Walthelm eine kommunale Verpackungssteuer geprüft. Das Umweltreferat befürwortete sie grundsätzlich aufgrund ihrer Lenkungs- und Anreizwirkung. In Bayern ist eine solche Steuer derzeit jedoch landesrechtlich ausgeschlossen. Entsprechend intensiv wurde darüber diskutiert, wie dieses Verbot politisch oder rechtlich überwunden werden könnte, um den Kommunen wieder mehr Handlungsspielraum zu geben. Ob ein möglicher Weg eine Verfassungsklage (bezüglich des Beschlusses der bundesweiten Einführung der Verpackungssteuer) wäre?
Trotz des Vetos der bayerischen Landesregierung zum Thema Verpackungssteuer werden in Nürnberg Mittel und Wege gesucht, die Stadt möglichst plastikfrei zu machen. Die Stadt hat beispielsweise zahlreiche öffentliche Trinkbrunnen installieren lassen und so den Zugang zu Trinkwasser ermöglicht, das für jedermann ohne Plastikflaschen und kostenlos erhältlich ist. Für größere Veranstaltungen stellt das Geschirrmobil allen Nürnberger*innen kostenlos eine Alternative zu Einweggeschirr zur Verfügung.
Plastik entzaubern
Tom Kurz zeigte, dass kommunale Plastikpolitik weit mehr umfasst als eine Verpackungssteuer. Genannt wurden unter anderem Mehrweg bei Veranstaltungen, Trinkwasserbrunnen, Repair-Cafés, „Bibliotheken der Dinge“, Mehrweg-Pools und lokale Clean-up-Aktionen. Zudem stellte er die Arbeit von Exit Plastik vor, einem Bündnis, an dem unter anderem Deutsche Umwelthilfe, BUND und Greenpeace beteiligt sind. Im Gedächtnis blieb besonders der Begriff der „Plastiksozialisierung“: Einweg und Kunststoff seien so selbstverständlich Teil unseres Alltags geworden, dass Alternativen vielfach erst wieder neu etabliert werden müssten.
Exit Plastik versucht unter anderem, Einfluss auf die Gesetzgebung hinsichtlich der Verwendung verschiedenster Plastikmaterialien zu nehmen.
Hätten Sie gewusst, dass in den plastikbildenden Polymeren bis zu 10.000 weitere Chemikalien gebunden sind?!
Moderiert hat diesen sehr informativen und kurzweiligen Abend Roland Mietke, Leitung der Lokalgruppe von Bluepingu e.V.
Dass das Thema die Menschen beschäftigt, zeigte sich nicht nur an der guten Besucherzahl. Auch nach Ende des offiziellen Programms wurde an den Informationsständen noch intensiv weiterdiskutiert.
Fazit: Die Plastikflut lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme stoppen. Vermeidung, Mehrweg, kommunale Initiativen und geeignete politische Rahmenbedingungen müssen zusammenspielen. Die Erfahrungen aus Konstanz zeigen jedoch: Eine kommunale Verpackungssteuer kann konkret Wirkung entfalten.











