Zur Startseite

BN-Interkulturell

Gentechnik, Ernährung, Marktschirm

Heilkräutergarten Hallertor

Ortsgruppen

Zabo/Dutzendteich

Ziegelstein/Buchenbühl

Publikationen

  • Home  › 
  • Aktuelles

Betonfundamente im Gelbbauchunken-Biotop

Die geplante Juraleitung soll über den Hohen Bühl südlich von Nürnberg führen. Maststandorte bedrohen einzigartigen Wald bei Moorenbrunn und Langwasser

18.12.2025

Der Hohe Bühl ist mit seinen tonigen Böden und Sandsteinformationen (Teufelsbackofen, Steinbrüche) einer der artenreichsten Laubmischwälder der Region und in seiner Flora für das mittelfränkische Becken äußerst untypisch. Die geplanten Maststandorte der Juraleitung würden massiv in das sensible Ökosystem eingreifen. Zahlreiche Pflanzenarten, die im Stadtgebiet Nürnberg selten sind, treten hier auf, wie z.B. die Echte Schlüsselblume (Primula veris, Vorwarnliste, gesetzlich geschützt) und die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior, gesetzlich geschützt). Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) und der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis, Vorwarnliste) gedeihen rund um den Teufelsbackofen. Beide Arten kommen in Nürnberg praktisch sonst nicht vor.

Ungewöhnlich ist die Vielzahl der Wicken im Wald. Die Kassubische Wicke (Vicia cassubica) und die Erbsen-Wicke (Vicia pisiformis) gelten beide in Bayern als gefährdet. Auch die Wald-Wicke (Vicia sylvatica, Vorwarnliste) ist in Nürnberg sonst extrem selten. Laubwaldbereiche mit Wald-Bingelkraut (Mercurialis perennis), Hänge-Segge (Carex pendula) und Seidelbast (Daphne mezereum, Vorwarnliste, gesetzlich geschützt) findet man so sonst erst wieder im Frankenjura. 

Hohe vegetationsökologische Eingriffsempfindlichkeit

Sandige Waldwege und Böschungen weisen ebenfalls eine typische Vegetation auf, mit Nelken-Haferschmiele (Aira caryophyllea, stark gefährdet!), Bergsandglöckchen (Jasione montana, gefährdet), Ausdauerndem Knäuel (Scleranthus perennis, gefährdet) und Kleinem Vogelfuß (Ornithopus perpusillus, stark gefährdet!). Weiterhin kann man hier Mauer-Gipskraut (Gypsophila muralis, gefährdet), Nickenden Löwenzahn (Leontodon saxatilis, stark gefährdet!) und Zierliches Labkraut (Galium pumilum, Vorwarnliste) finden. 

Die Heide-Nelke (Dianthus deltoides), die Büschel-Nelke (Dianthus armeria) und das Echte Tausengüldenkraut (Centaurium erythraea) sorgen für pink- und rosafarbene Aspekte am Wegrand. Alle drei Arten sind gesetzlich geschützt und stehen auf der Vorwarnliste. Seltene Pflanzen sind zudem der Purgier-Lein (Linum catharticum, gesetzlich geschützt), das Hunds-Veilchen (Viola canina, Vorwarnliste) und die Kümmel-Silge (Selinum carvifolia, Vorwarnliste). Die vegetationsökologische Eingriffsempfindlichkeit ist allgemein hoch.

Zwischen den geplanten Maststandorten 66 und 65 ist das Quellgebiet des Oberen Brandgrabens mit mehreren Quellaustritten und guter Wasserführung. Dieser ist wichtiger Lebensraum der Zweigestreiften Quelljungfer (Cordulegaster boltonii, gefährdet), unserer größten heimischen Libelle. Beim Bau der Masten ist mit einer Gefährdung des Grundwassers, des oberflächennahen Wasser und einer Störung des sensiblen Quellbiotops zu rechnen. Eine nachhaltige Störung grundwasserführender Schichten kann nicht ausgeschlossen werden.

Lebensraum für FFH-Arten

Der Alteichenbestand am Hohen Bühl ist ebenfalls hochsensibel und potenzieller Lebensraum von FFH-Arten wie Eremit (Osmoderma eremita) und Hirschkäfer (Lucanus cervus) sowie vieler anderer totholzbewohnender Käfer. Eine ebenfalls hohe Bedeutung für zahlreiche Fledermausarten sowie für Höhlenbrüter aller Art (Spechte, Waldkauz, Hohltaube) muss angenommen werden. Der Baumbestand ist zentraler wertgebender Bestandteil des europäischen Vogelschutzgebiets „Nürnberger Reichswald“ (SPA-Gebiet, Special Protection Area). Geplante Arbeiten auch im Umfeld, die den sensiblen Wald beeinträchtigen könnten, insbesondere alle Eingriffe in Boden, Grundwasser oder in benachbarten Baumbestand, sind gravierend. 

Der gesamte Bereich um das ehemalige Airfield und südlich des Hohen Bühls ist wichtiger Lebensraum der Gelbbauchunke (Bombina variegata), die kleine Gewässer auf tonigen Standorten als Laichgewässer nutzt. Die Gelbbauchunke ist nach Anhang II und IV der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) streng geschützt und bundesweit stark gefährdet. Auch andere Amphibien, wie Bergmolch und Grünfrösche, kommen rund um den Hohen Bühl vor. Eingriffe, die die Population oder Laichgewässer in irgendeiner Form gefährden, sind daher strikt abzulehnen.

Das Waldgebiet weiter westlich am Autobahnkreuz Nürnberg Süd ist einer der wenigen Standorte des Ästigen Rautenfarns (Botrychium matricariifolium) in der Region und im Artenhilfsprogramm der Regierung von Mittelfranken. Er gilt sowohl nach Roter Liste Bayern als auch nach der bundesweiten Roten Liste als stark gefährdet (Status 2). Zudem ist die Art nach Bundesartenschutzverordnung streng geschützt und die hohe Verantwortung Deutschlands wird hervorgehoben. Eine Gefährdung und Beeinträchtigung des Standorts ist auszuschließen. 

Wertvolle Feuchtwiesen und Gräben

Die Feuchtwiesen entlang des Gaulnhofener Grabens insbesondere am Waldrand östlich des Ritterholzes sind die wertvollsten Wiesen dieser Art im Nürnberger Süden und einziger Standort des Breitblättrigen Knabenkrauts (Dactylorhiza majalis) im südlichen Stadtgebiet außerhalb der Reichswaldenklaven (Fischbach, Birnthon). Zahlreiche andere Pflanzen der Feuchtwiesen prägen diesen Lebensraum, wie z.B. Schild-Ehrenpreis (Veronica scutellata, gefährdet), Trauben-Trespe (Bromus racemosus, stark gefährdet), Wasser-Greiskraut (Senecio aquaticus, Vorwarnliste)und Kleiner Baldrian (Valeriana dioica). 

Das Vorkommen von Hartmans Segge (Carex hartmanii, stark gefährdet) wurde im feuchten Waldsaum und in den Feuchtwiesen mehrfach nachgewiesen (Subal, Dötsch) und ist im Artenhilfsprogramm der Regierung von Mittelfranken. Der Standort von Kriechweide (Salix repens, gefährdet) ebenfalls am Waldsaum gilt als der einzige in der Region. 

Feuchtwiesen und Gräben weisen zudem eine einzigartige Insektenfauna auf, u.a. mit Sumpfschrecke (Stethophyma grossum, RLBY V) und Gebänderter Heidelibelle (Sympetrum pedemontanum, stark gefährdet). Beobachtungen des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings (Maculinea nausithous)durch den BN seit Mitte der neunziger Jahre werden durch aktuelle Funde der Stadt Nürnberg ergänzt und belegen das wohl durchgehende Vorkommen der Art am Gaulnhofener Graben. Die Art ist nach Anhang II und IV der FFH-Richtlinie streng geschützt. 

Der gesamte Lebensraumkomplex aus Waldsaum, Feuchtwiesen und Gräben hat zentrale Bedeutung für den Artenschutz im Nürnberger Süden und darf aus Sicht des BN in keiner Form beeinträchtigt werden. Alle Zuwegungen und Baumaßnahmen auf den Wiesen und am Waldsaum sind strikt abzulehnen. Der Trassenverlauf an dieser Stelle ist naturschutzfachlich katastrophal.