MenuKreisgruppe Nürnberg StadtBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Jede Blüte zählt! Insektenfreundliche Gärten und Landschaften

Das war der Tag der Bienen und Schmetterlinge am 14. März.

EinTag mit Maria Sibylla Merian
Plakat „Schmetterlingsbeete“
Margot Lölhöffel beim Vortrag
Informationen zum Insektenschutz
Insektenhäuser
insektenfreundliche Pflanzen
Leckeres Buffet
Blumencafé
Meriankuchen

Meriankuchen

„Hoch-Beet“ aus alten Blumentöpfen

Schönes Projekt für jüngere Kinder: „Hoch-Beet“ aus alten Blumentöpfen, mit Acrylfarbe bemalt.

Minibeet mit Feldsteinen

Minibeet: Rasenstück abstechen, mit Feldsteinen umlegen

Faulenzerbeet mit Hauswurz und Mauerpfeffer

Faulenzerbeet: Flache Schalen mit einheimischem Hauswurz und Mauerpfeffer füllen. Auch diese Blüten werden gern von Insekten besucht.

Stefan Mümmler beim Vortrag
Stefan Mümmler beim Vortrag
Aufmerksames Publikum
23.03.2020

Auch jeder Gast zählte diesmal, trotz Corona fanden sich noch etwa dreißig unerschrockene Interessierte zum großen Infotag von BUND Naturschutz Nürnberger Süden und einkorn e.V. ein. Trotz zahlreicher Absagen gab es in der geräumigen AWO-Begegnungsstätte in entspannter Stimmung eine schöne Mischung aus historischer Anregung und handfesten Praxistipps.

Insekten – Bienen – Schmetterlinge. Wir alle wissen, dass das Fehlen von summenden und brummenden Kleinlebewesen und wilden Blühpflanzen Ausdruck eines viel größeren, überaus bedrohlichen Ungleichgewichts in der Natur ist. Gerade in den noch relativ „grünen“ südlichen Stadtteilen fällt stark auf, dass etwas fehlt. Gleichzeitig gibt es hier viele Brachflächen und Privatgärten, die leicht umgestaltet werden können.

Margot Lölhöffel schlüpfte bei ihrem lebhaften „Interview“ in die Rolle von Maria Sibylla Merian (1647-1717). Die berühmte Forscherin, Künstlerin und Buchillustratorin lebte mit ihrer Familie zeitweise in Nürnberg, wo sie ein eigenes Gärtchen pflegte und in ihrer Wohnung viele Raupen und Insekten aufzog – um sie dann detailgenau zeichnen zu können. Gleichzeitig rückte die Referentin etliche durch die Literatur geisternde Fehlvorstellungen zurecht und brachte Merians damaligen Alltag nahe: ihre Begeisterung für Nürnberg als eine „Stadt der Gärten“, ihre Durchsetzungskraft als teilweise allein erziehende Mutter und Künstlerin in einer reinen Männerwelt, das viel zu negativ gezeichnete Bild ihres Gatten Johann Andreas Graff, die große Surinam-Reise.
Margot Lölhöffel forscht seit viele Jahren zu Merians originalen Nürnberger Wirkungsstätten und bietet auch Rundgänge an.

Unsere historische Schirmherrin steht seit einigen Jahren auch für ein schönes regionales Aktionsbündnis, das sich für mehr echte Natur und Wildnis auch in städtischen Bereichen einsetzt, u.a. mit Insektenbeeten auf öffentlichen Flächen, Kooperation mit der Merianschule und weiteren umweltpädagogischen Projekten, Infoveranstaltungen, Publikationen, Websites.

Im Saal gab es viele Details zu entdecken: Das Umweltreferat der Stadt Nürnberg stellte mit Fotos und Broschüren u.a. sein Projekt „InsektenReich“ vor. Der BUND Naturschutz erklärte die rund um Kornburg betreuten Flächen der „Sandachse“. Dazu eine Kräuter- und Wildpflanzenbörse sowie Anregungen für den eigenen Garten unter dem Motto „Neue Schönheitsideale“: echt und wild statt nur dekorativ und exotisch. Und nicht zuletzt wurde am Kuchenbuffet das Geheimnis um den „Meriankuchen“ gelöst. In dem auf ihrer großen Surinamreise entstandenen Meisterwerk über surinamische Insekten erklärt Maria Sibylla Merian ihrem zeitgenössischen Publikum, wie die damals neuartige „Ananas” schmeckt: „Der Geschmack dieser Frucht ist, als ob man Trauben, Aprikosen, Johannisbeeren, Äpfel und Birnen miteinander vermengt hätte, die man alle gleichzeitig darin schmeckt. Ihr Geschmack ist lieblich und stark. Wenn man sie aufschneidet, so riecht das ganze Zimmer danach.“ Margot Lölhöffel hatte die genannten Sorten kurzerhand in einer leckeren Kuchenkreation vereint und zum Probieren angeboten.

Stefan Mümmler ging anschließend kompetent und anschaulich ins Detail. Hier kurz zusammengefasst seine Tipps für eigene Aktivitäten:

  • Nur ein kleinerer Teil der Insekten ist auf „Insektenhotels“ angewiesen. Viel wichtiger sind offener Boden und passende Pflanzenauswahl. Viele Schmetterlinge sind z.B. Spezialisten, d.h. sie brauchen für ihre Entwicklung bis zu vier ganz bestimmte Pflanzenarten. Eine nur zur Eiablage, die zweite als Raupenfutter, die dritte für den fertigen Schmetterling etc.
  • Möglichst vielfältige Blütenauswahl. Einheimische Wildkräuter, passend zu Boden und Witterung. Ungefüllte Arten, im Nürnberger Süden speziell Blumen für „magere“ (ungedüngte, nicht mit Humus versetzte) Standorte. Bei entsprechenden Samenmischungen auf Zusammensetzung und Lichtverhältnisse (Sonne, Halbschatten) achten.
  • Wildhecken und Bäume mit vielen Blüten (z.B. Obstbäume, Weide, Weißdorn) sind sehr ergiebig.
  • Frühblüher nicht vergessen. Frühlingsblumenzwiebeln, Winterling, Frühlingswildkräuter (früner „Unkraut“) im Garten üppig wachsen lassen.
  • Einige abgeblühte Stauden und Brennnesseln auch über den Winter im Garten belassen.
  • Insektenhäuser funktionieren nur, wenn: vor Wetter geschützt und frei zugänglich ohne Einflughindernisse aufgehängt, tendenziell mit Öffnung nach Süden. Sauber ins Holz gebohrte Öffnungen (eventuell glatt feilen), damit Insekten sich nicht verletzen. Eventuell durch Gitterdraht vor gefräßigen Vögelchen schützen.
  • Bündel aus Schilfrohr (oder andere hohle Pflanzenstängel oder vorgefertigt erhältliche Pappröhrchen) mit etwa 2-9 mm Durchmesser und ausreichender Länge waagrecht aufhängen. Meist werden mehrere Eier hintereinander hineingelegt.
  • Wasser bereitstellen, z.B. große Schale oder Bassin. Regelmäßig auffüllen.
  • Sandfläche: Offener Boden z.B. für Erdbienen. Oder einfach eine Stelle im Garten unter großen Bäumen unbepflanzt lassen.
  • Totholz, besonders Eiche, als Kinderstube für Insekten in Gartenecken verrotten lassen.
  • Steinhaufen als Versteck und Winterquartier.
  • Balkonbepflanzung: Vieles ist auch im Kleinen umsetzbar. Gerade einfache Kräuter gedeihen gut in Töpfen und Kästen. Auch sie helfen mit, grüne Achsen zu schaffen – symbolisch und real.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Helferinnen und Helfer sowie für die vielen Spenden und Sachspenden, speziell auch bei Frau Degelmann und der AWO für das unkomplizierte Entgegenkommen in schwierigen Zeiten.

Wer selber mit anpacken möchte, kann das bei regelmäßigen Biotoppflegeterminen rund um Kornburg tun, sobald sich die Situation wieder normalisiert hat. Dann gibt es voraussichtlich auch wieder informative Radtouren zu regionalen Erzeugern von Lebensmitteln mit einkorn e.V. sowie weitere Repair-Cafés in den Katzwanger AWO-Räumen.