Zur Startseite

BN-Interkulturell

Gentechnik, Ernährung, Marktschirm

Heilkräutergarten Hallertor

Ortsgruppen

Zabo/Dutzendteich

Ziegelstein/Buchenbühl

Publikationen

  • Home  › 
  • Aktuelles

Wildpflanze und Baum des Jahres 2026

Mit der Wahl der Pflanzen, Tiere und Lebensräume des Jahres wird auf die Gefährdung von Natur und Umwelt aufmerksam gemacht. Meist haben die gewählten Arten und Lebensräume eine besondere ökologische Bedeutung oder sind in ihrer Existenz bedroht.

21.04.2026

Die Wildpflanze und den Baum des Jahres 2026 möchten wir Ihnen im Folgenden vorstellen.

Der Gewöhnliche Natternkopf – Wildpflanze des Jahres 2026

An Straßen- und Wegesrändern streckt eine Pflanze ihren Blütenstand in die Höhe, die eine der Lieblingspflanzen für Wildbienen & Co. ist: der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare). Der Name kommt wahrscheinlich von seiner Blütenform, die an einen Schlangenkopf samt Zunge erinnert. Die vier langen Staubgefäße gleichen dabei grob Giftzähnen und die zweispaltige Narbe sieht wie eine gespaltene Reptilienzunge aus.

Die Blüten bieten allerhand Nektar und Pollen. Dementsprechend beliebt sind sie bei Faltern, Schwebfliegen und Bienen: So fliegen gut 40 Wildbienenarten auf ihn, wie die spezialisierte Natternkopf-Mauerbiene, die ohne ihn nicht überleben kann. Bei den Schmetterlingen sind es sogar fast 50 Arten. Dazu gehören Schönheiten wie z.B. der Schwalbenschwanz. Wer sie alle in den Garten locken will, liegt mit dem Natternkopf richtig.

Am besten wächst er auf kargen Stellen in voller Sonne. Viel mehr Ansprüche hat er nicht. Er ist zweijährig und bildet im ersten Jahr lediglich eine Blattrosette und eine lange Pfahlwurzel. Im zweiten Jahr geht er in Blüte. Die Blüten sind zuerst in Rosa gehalten. Dann enthalten sie noch viel Nektar. Später verfärben sie sich blau. Wie seine Verwandten Lungenkraut und Borretsch zeigt der Natternkopf den Insekten über die Blütenfarbe an, ob bei ihm noch viel Nahrung zu holen ist.

Nach der Blüte ist sein Lebenszyklus etwa im August des zweiten Jahres abgeschlossen. Vorher samt er sich noch großzügig aus. So ist auch in den kommenden Jahren der Tisch für die Insekten reich gedeckt.

In Nürnberg findet sich der Gewöhnliche Natternkopf vor allem an Wegrändern, auf Brachen und Magerrasen. Im Gegensatz zu der nahe verwandten Gemeinen Ochsenzunge liebt er aber etwas kalkreichere Böden und fehlt oft in den für Nürnberg typischen Sandmagerrasen der SandAchse Franken.

Die Zitter-Pappel (Espe) – Baum des Jahres 2026

Die Zitter-Pappel (Populus tremula) gehört zu den auffälligsten heimischen Laubbäumen: Schon ein leichter Wind bringt ihre Blätter zum Flirren und verleiht ihr ein fast lebendiges, tanzendes Aussehen. Doch nicht nur ihre Erscheinung macht sie besonders – sie ist auch für viele Tiere und Pflanzen von großer Bedeutung. Als Pionierbaum besiedelt sie schnell offene Flächen, regeneriert geschädigte Wälder und bietet zahlreichen Arten einen Lebensraum. Mehr als 60 Schmetterlingsarten nutzen ihre Blätter als Futterquelle, Spechte zimmern Höhlen in das weiche Holz, und viele Singvögel finden hier Nahrung.

Die Zitter-Pappel ist in fast ganz Europa, weiten Teilen Asiens und sogar im nördlichen Afrika heimisch. Sie wächst auf frischen bis mäßig trockenen, nährstoffreichen Böden und kommt vom Tiefland bis in Höhen von 2.000 Metern vor. Besonders häufig begegnet man ihr an Waldrändern, auf Kahlschlägen, in lichten Wäldern oder als Solitärbaum in offenen Landschaften. Dank ihrer Fähigkeit, sich über Wurzelausläufer zu vermehren, kann sie nach Störungen wie Sturm oder Feuer rasch neue Bestände bilden.

Mit einer Höhe von 15 bis 25 Metern – in Ausnahmefällen sogar bis 35 Meter – ist die Zitter-Pappel ein mittelgroßer, rasch wachsender Baum. Ihre lockere, rundliche Krone und der schlanke Stamm verleihen ihr eine elegante Erscheinung. Junge Bäume tragen eine glatte, graugrüne Rinde, die im Alter dunkler wird und längsrissig aufbricht. Besonders charakteristisch sind ihre rundlichen bis herzförmigen Blätter mit seitlich abgeflachtem Stiel: Sie reagieren selbst auf die kleinste Brise und beginnen zu „zittern“. Im Frühjahr, noch vor dem Blattaustrieb, erscheinen die Blüten – männliche purpurfarbene und weibliche grünliche Kätzchen. Aus ihnen entwickeln sich kleine Kapselfrüchte, deren watteartige Samen der Wind weit verbreitet.

Das Holz der Zitter-Pappel ist hell, leicht und gut zu bearbeiten – ideal für Zündhölzer, Sperrholz, leichte Möbel oder die Papierproduktion. Die Rinde enthält Salicylate, die früher traditionell gegen Fieber, Schmerzen und rheumatische Beschwerden verwendet wurden.

Obwohl die Espe in naturnahen Ökosystemen ein durchaus häufiger und robuster Baum wäre, findet man in Nürnberg kaum ältere Exemplare. In Parkanlagen und an Wegen erweist sich das weiche und brüchige Holz als unvorteilhaft, da die Verkehrssicherheit nur aufwendig zu gewährleisten ist.

Auch im Reichswald kann man kaum eine ausgewachsene Zitter-Pappel entdecken, weil sie wie viele Weichhölzer als minderwertig angesehen wird. Zitter-Pappeln werden daher oft schon frühzeitig aus den Beständen entfernt.

Interessanterweise ist in Nürnberg eine natürliche Kreuzung aus Zitter-Pappel und Silber-Pappel nicht selten. Manche Zitter-Pappel erweist sich daher auf den zweiten Blick oft als Grau-Pappel (Populus x canescens). Allgemein gelten Grau-Pappeln in Bayern als selten und wurden früher schon auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft.