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Wissenschaftswoche – Interview: Klimaschutz und Klimaanpassung in Nürnberg

Im Rahmen der Wissenschaftswoche haben zwei Schülerinnen des Johannes-Scharrer-Gymnasiums das Thema „Nachhaltige Stadtkonzepte – die Zukunft der Stadt Nürnberg im Zeichen des Klimawandels“ gewählt. In dem Zuge haben sie ein Interview mit unserem 1. Vorsitzenden Klaus-Peter Murawski geführt.

27.03.2026

1. Frage: Wo sehen Sie aktuell die größten Klimaprobleme in Nürnberg?

Antwort:
Die größten Herausforderungen liegen in der zunehmenden Überhitzung der Stadt, dem fortschreitenden Verlust von Grünflächen und der anhaltenden Flächenversiegelung. Nürnberg zählt bereits heute zu den Städten, die in Hitzeperioden besonders belastet sind. Die Stadt hat die geringsten Grünflächen pro Einwohner der 14 größten deutschen Städte. Gleichzeitig werden wichtige Kaltluftentstehungsgebiete und Frischluftschneisen durch Bebauung zerstört, wie in Wetzendorf oder auf dem Tiefen Feld. Diese Entwicklungen verschärfen sich gegenseitig und gefährden langfristig die Lebensqualität in der Stadt.

2. Frage: Welche Bereiche oder Stadtteile sind besonders betroffen und warum?

Antwort:
Besonders betroffen sind dicht bebaute Stadtteile wie die Altstadt, die Südstadt, Gostenhof oder Teile von St. Leonhard und Schweinau. Hier treffen mehrere Belastungsfaktoren aufeinander: hohe Versiegelung, geringe Grünanteile, intensive Verkehrsbelastung und eine eingeschränkte Durchlüftung. Diese Kombination führt dazu, dass sich Hitze besonders stark aufstaut und die Lebensqualität erheblich leidet. In diesen Stadtteilen müssen nach dem Vorbild von Paris ganze Straßen mit Bäumen bepflanzt und Großparkplätze oder verschwenderisch versiegelte Gewerbeflächen durch Parkanlagen ersetzt werden.

3. Frage: Was macht Nürnberg Ihrer Meinung nach gut – und wo sehen Sie klare Defizite?

Antwort:
Positiv ist, dass Nürnberg über ein Klimaschutzkonzept verfügt und durch ein Klimagutachten weiß, wo die Kaltluftschneisen sind. Der Beschluss des Stadtrats, die Versiegelung von Grünflächen zu stoppen, ist bundesweit einmalig. Die Landesgartenschau 2030 soll zur Begrünung der Innenstadt und der Südstadt genutzt werden. Nürnberg hat als erste Großstadt einen Wärmeplan erstellt: Fernwärme in verdichteten Stadtteilen vor allem innerhalb des Mittleren Rings, Wärmepumpen in Stadtteilen mit lockerer Bebauung mit Einfamilienhäusern.
Die Defizite liegen jedoch in der Umsetzung: Sie erfolgt häufig zu langsam und nicht konsequent genug. Noch immer werden neue Flächen am Stadtrand in Anspruch genommen, wie im Knoblauchsland, während Bauen im Bestand durch Aufstockung und Dachgeschossausbau mit preisgünstigen Holzmodulen nicht die notwendige Priorität erhält. Zielkonflikte werden immer zulasten von Natur und Klima entschieden, wie beim Neubau eines Pflegeheims auf dem Platnersberg.

4. Frage: Welche Maßnahmen sind am wichtigsten, um Nürnberg klimaresistenter zu machen?

Antwort:
Entscheidend sind drei zentrale Maßnahmen: Erstens ein konsequenter Stopp weiterer Flächenversiegelung, zweitens die systematische Entsiegelung und Begrünung bestehender Flächen und drittens der verbindliche Schutz von Kaltluftentstehungsgebieten.
Ergänzend braucht es den Ausbau sogenannter Schwammstadt-Konzepte, also eine bessere Speicherung und Nutzung von Regenwasser, viel mehr Stadtbäume und durchgängige Grünzüge sowie nur noch Bauen im Bestand. Auch eine starke Reduktion des motorisierten Verkehrs ist unverzichtbar, um die Stadt nachhaltig zu entlasten.

5. Frage: Warum werden viele Klimaschutzmaßnahmen oft nur langsam umgesetzt?

Antwort:
Die Gründe liegen vor allem in Interessenkonflikten, etwa zwischen Wohnungsbau und Flächenschutz, in bürokratischen Hürden und in einem häufig kurzfristigen politischen Denken, vor allem an Ideenlosigkeit und die Unfähigkeit, woanders erprobte Innovationen wie Seilbahnen als ÖPNV-Verkehrsmittel auf Nürnberg zu übertragen. Klimaschutz wird nicht als grundlegende Voraussetzung jeder Stadtentwicklung begriffen.

6. Frage: Was können Jugendliche konkret zum Klimaschutz in der Stadt beitragen?

Antwort:
Jugendliche spielen eine wichtige Rolle, weil sie die Folgen des Klimawandels am längsten tragen werden. Sie können durch Engagement z.B. in der BUND-Jugend Nürnberg und durch politische Beteiligung in demokratischen Parteien Einfluss nehmen.
Vor allem aber können sie gesellschaftlichen Druck aufbauen und Veränderungen einfordern, indem sie Angebote der Beteiligung in Bürgerversammlungen und Bürgervereinen nutzen. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass gerade von jungen Menschen wichtige Impulse ausgehen wie von Fridays for Future.

7. Frage: Wie stellen Sie sich Nürnberg im Jahr 2040 vor – im besten und im schlimmsten Fall?

Antwort:
Im besten Fall ist Nürnberg eine deutlich grünere, kühlere und dadurch lebenswertere Stadt, mit weniger Autoverkehr, mehr Aufenthaltsqualität und klimaangepassten Quartieren wie dem Barcelona-Block in Gostenhof.
Im schlimmsten Fall drohen eine massiv überhitzte Stadt, der Verlust vieler Grünflächen und zunehmende gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung mit erhöhter Sterblichkeit vulnerabler Gruppen. Auch soziale Ungleichheiten und Konflikte würden sich durch die Klimafolgen weiter verschärfen.
Welche dieser Entwicklungen eintritt, entscheidet sich in den kommenden Jahren.

8. Frage: Wenn Sie nur eine Maßnahme sofort umsetzen könnten – welche wäre das?

Antwort:
Ein sofortiger Stopp der Bebauung klimatisch besonders sensibler Freiflächen, insbesondere von Kaltluftentstehungsgebieten.
Denn was einmal versiegelt ist, steht für das Stadtklima dauerhaft nicht mehr zur Verfügung. Hier werden heute Entscheidungen getroffen, deren Folgen über Jahrzehnte hinweg spürbar sein werden.