BUND Naturschutz unterstützt Volksbegehren zur Rettung der Artenvielfalt

Am 15. November hat das Bayerische Innenministerium den Antrag des Volksbegehrens genehmigt und den Eintragungszeitraum auf den 31. Januar bis 13. Februar 2019 festgelegt. Auch der BUND Naturschutz Nürnberg wird mit seinen über 7.500 Mitgliedern das Volksbegehren aktiv unterstützen.

Pressemitteilung vom 12. Dezember 2018

Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz, kommentiert: „Wir freuen uns, dass das Bayerische Innenministerium dem Antrag stattgegeben hat und die Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Unterschrift etwas für den Natur- und Artenschutz tun können. Der BUND Naturschutz arbeitet seit Jahrzehnten für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, der auch stark durch die Zerschneidung der Landschaft und den massiven Pestizideinsatz bedroht ist. Für den mitgliederstarken BUND Naturschutz ist es somit ein großes Anliegen, die Initiatoren bei der Durchführung des Volksbegehrens zu unterstützen.“

Martin Geilhufe, Landesbeauftragter, ergänzt: „Für die Rettung der Artenvielfalt benötigt es mehr Naturschutz und weniger Pestizide. Auch Bayern kann handeln. Im Volksbegehrensantrag geht es um das überfällige Verbot der Anwendung von Pestiziden in Naturschutzgebieten und gesetzlich geschützten Landschaftsbestandteilen und Biotopen.“

Insektensterben trifft Ballungsraum

„Rettet die Bienen!“ – dieses Motto des Volksbegehrens könnte auch für die Arbeit des Nürnberger BUND Naturschutz stehen. 260.000 Quadratmeter Biotope und Gärten betreut der Naturschutzverband, über 70.000 Quadratmeter Blühflächen wurden in den letzten eineinhalb Jahrzehnten bei Kornburg erworben und angelegt. „Statt Insektensterben verursacht der BN dort einen Insektenboom“, argumentiert BN-Vorsitzender Dr. Otto Heimbucher. „Doch trotz der enormen Leistung ist das für das gesamte Stadtgebiet nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn wir Natur nicht in der gesamten Fläche schützen und einen wirksamen Biotopverbund schaffen, werden auch viele seltene Tiere und Pflanzen aus Nürnberg verschwinden. Biotopverbund ist eines der zentralen Ziele des Volksbegehrens.“

Gehörnte Mauerbiene
Die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) gehört zu den wenigen Wildbienen, die effizient in der Landwirtschaft bestäuben. Nur das Weibchen (unten) ist gehörnt. (Foto: Wolfgang Dötsch)
Schachbrettfalter
Ein Schachbrettfalter auf einer BN-Blumenwiese in Kornburg. Im Bild drei gefährdete Pflanzenarten: Bergsandglöckchen, Acker-Filzkraut, Sprossendes Nelkenköpfchen (Foto: André Winkel)

Nürnberg als Bienenhochburg

Nürnberg gilt als Eldorado für Wildbienen. Das trockene Klima und die sandigen Böden sind für die Tiergruppe ideal. Denn etwa zwei Drittel der Wildbienen legen ihre Brutröhren im Boden an, nur ca. ein Drittel  finden wir an den typischen Insektenhotels oder anderen Substraten. Das Arten- und Biotopschutzprogramm führt für Nürnberg 84 Arten von Wildbienen auf. Davon sind allein 33 auf der Roten Liste. Dabei zählen manche Wildbienen schon heute zu den wichtigsten Bestäubern unserer Kulturpflanzen.
10 % der Naturflächen sollen laut Volksbegehren in Blühflächen umgewandelt werden. Gerade für Bienen ist dies besonders wichtig, da normale Wiesen zu oft und zu früh gemäht werden. Nur wenige Blüten bieten den Tieren kurzzeitig Nahrung. Lange Hungerphasen sind die Folge.

Schachbrett ist symptomatisch

Symptomatisch für die Entwicklung ist der Schmetterling des Jahres 2019. Der Schachbrettfalter (Melanargia galathea) war früher ein Allerweltsschmetterling. Sein typisches Schwarzweißmuster macht ihn unverwechselbar. Auch heute ist der markante Tagfalter noch nicht gefährdet. Allerdings sind die Bestände dramatisch eingebrochen, da die Schmetterlinge blütenreiche Wiesen brauchen, die erst spät gemäht werden. Was früher alltäglich war, ist heute die Ausnahme. So sind Schachbrettfalter heute auf verwilderte Wegränder und Böschungen angewiesen. Nur eine Trendwende im Artenschutz kann dem kontrastreichen Gaukler helfen. Das Volksbegehren weist mit seinen Initiativen den richtigen Weg.

Erst die Insekten, dann die Vögel

Der Zusammenbruch der Insektenfauna hat direkte Folgen auch für größere Tiere. Gerade typische Vögel der Feldflur sind oft auf ein üppiges Angebot an Kleintieren angewiesen. Nürnberg ist auch hier noch erstaunlich artenreich. Das drittgrößte bayerische Kibitzvorkommen und einer der wichtigsten nordbayerischen Lebensräume für Rebhühner finden sich am Rande der Großstadt. Auch Feldlerchen und Neuntöter kann man regelmäßig beobachten. Doch das aktuelle Bodenbrüter-Gutachten der Stadt Nürnberg ist alarmierend. Kein Wunder, denn die Tiere hängen von Blühflächen und Insektenvielfalt ab.

Nähere Informationen zum Volksbegehren finden Sie unter volksbegehren-artenvielfalt.de

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