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Frankenschnellweg – ein klima- und verkehrspolitisch nicht mehr vertretbares Großprojekt

Frankenschnellweg verursacht klimatisch bis zu über 700.000 Tonnen CO2 – Tunnelbau vernichtet potenziell mehrere Jahrzehnte kommunaler Klimaschutzbemühungen

Pressemitteilung vom 26. Mai 2026

Die Kreisgruppe Nürnberg Stadt des BUND Naturschutz kritisiert den Ausbau des Frankenschnellwegs als klima- und verkehrspolitisch nicht mehr vertretbares Großprojekt. Nach überschlägigen Berechnungen verursacht das Vorhaben – einschließlich Beton, Zement, Stahl, Baustellenbetrieb, Tunneltechnik und zusätzlichem Verkehr – insgesamt etwa 150.000 bis über 700.000 Tonnen CO2. Dies entspricht – je nach zugrunde gelegter Verkehrsprognose – ungefähr vier bis mehr als dreißig Jahresleistungen kommunaler CO2-Einsparungen der Stadt Nürnberg.

Grundlage der Berechnung sind unter anderem die von der Stadt selbst genannten Materialmengen von rund 200.000 Kubikmetern Beton sowie etwa 39.000 Tonnen Stahl für das Tunnelbauwerk des Frankenschnellwegs. Die Herstellung dieser Materialien gehört weltweit zu den emissionsintensivsten Industrieprozessen.

Für den Beton- und Zementeinsatz ergeben sich – abhängig von Rezeptur und Zementanteil – spezifische Emissionen von etwa 180 bis 300 Kilogramm CO2 pro Kubikmeter Beton. Allein daraus resultieren bereits etwa 36.000 bis 60.000 Tonnen CO2.

Hinzu kommt der Stahlbedarf von etwa 39.000 Tonnen. Bei durchschnittlichen Emissionen von etwa 1,5 bis 2,2 Tonnen CO2 pro Tonne Stahl entstehen daraus weitere etwa 58.000 bis 86.000 Tonnen CO2.

Bereits Beton, Zement und Stahl zusammen verursachen somit etwa 94.000 bis 146.000 Tonnen CO₂.

Noch nicht enthalten sind dabei zahlreiche weitere klimarelevante Posten des Projekts. Nach überschlägiger Betrachtung entstehen zusätzlich:

  • durch Asphalt und Straßenoberbau: etwa 5.000 bis 15.000 Tonnen CO2
  • durch Aushub, Verbau, Abbruch, Entsorgung und Materialtransporte: etwa 10.000 bis 30.000 Tonnen CO2
  • durch Baustellenbetrieb, Baumaschinen, Dieselverbrauch, Pumpen und Kräne: etwa 5.000 bis 20.000 Tonnen CO2
  • durch Tunneltechnik, Lüftung, Beleuchtung und Betriebsenergie: etwa 10.000 bis 30.000 Tonnen CO2
  • durch spätere Instandhaltung und Sanierungen über die Lebensdauer: etwa 10.000 bis 25.000 Tonnen CO2

Damit ergibt sich bereits ohne zusätzliche Verkehrsfolgen eine Gesamtsumme von ungefähr134.000 bis 266.000 Tonnen CO2.

Besonders problematisch ist aus Sicht des BUND Naturschutz jedoch der sogenannte induzierte Verkehr. Die internationale Verkehrsforschung zeigt seit Jahrzehnten, dass zusätzliche Straßenkapazitäten zusätzlichen Autoverkehr erzeugen oder langfristig stabilisieren. Gerade Tunnel- und Ausbauprojekte führen regelmäßig zu neuen Fahrten, längeren Wegen und einer verstärkten Pkw-Nutzung.

Im Zusammenhang mit dem Frankenschnellweg werden unterschiedliche zusätzliche Verkehrsbelastungen diskutiert. In gerichtlichen und planerischen Unterlagen wird unter anderem eine Zunahme des Durchgangsverkehrs von etwa 900 Fahrzeugen pro Tag genannt. Kritiker und verkehrspolitische Initiativen verweisen dagegen abschnittsweise auf deutlich höhere zusätzliche Belastungen von bis zu etwa 21.000 Fahrzeugen täglich.

Berechnet man diese zusätzlichen Verkehrsströme konservativ über einen Zeitraum von 30 Jahren mit durchschnittlich 0,16 bis 0,20 Kilogramm CO2 pro Fahrzeugkilometer, ergeben sich folgende zusätzliche Emissionen:

  • bei 900 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag:
    • etwa 8.000 bis 10.000 Tonnen CO2 bei durchschnittlich 5 Zusatzkilometern
    • etwa 16.000 bis 20.000 Tonnen CO2 bei 10 Zusatzkilometern
  • bei 5.000 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag:
    • etwa 44.000 bis 55.000 Tonnen CO2 bei 5 Zusatzkilometern
    • etwa 88.000 bis 110.000 Tonnen CO2 bei 10 Zusatzkilometern
  • bei 10.000 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag:
    • etwa 88.000 bis 110.000 Tonnen CO2 bei 5 Zusatzkilometern
    • etwa 175.000 bis 219.000 Tonnen CO2 bei 10 Zusatzkilometern
  • bei 21.000 zusätzlichen Fahrzeugen pro Tag:
    • etwa 184.000 bis 230.000 Tonnen CO2 bei 5 Zusatzkilometern
    • etwa 368.000 bis 460.000 Tonnen CO2 bei 10 Zusatzkilometern

Zusammen mit den Emissionen des Bauwerks ergibt sich damit insgesamt eine klimatische Größenordnung von etwa150.000 bis über 725.000 Tonnen CO2.

Die Stadt Nürnberg nennt für ihre kommunalen Klimaschutzbemühungen jährliche CO2-Minderungen in einer Größenordnung von etwa 20.000 bis 40.000 Tonnen pro Jahr. Damit entspricht der Frankenschnellweg – je nach Verkehrsannahme – ungefähr vier bis mehr als 36 Jahren kommunaler CO2-Einsparungen.

Der BUND Naturschutz erklärt hierzu: „Während Bürgerinnen und Bürger zum Energiesparen, zum Umstieg auf Bus und Bahn sowie zum Verzicht auf fossile Heizungen aufgefordert werden, werden gleichzeitig hunderttausende Tonnen CO2 in Beton, Stahl und zusätzlichen Autoverkehr investiert. Der Frankenschnellweg steht damit exemplarisch für eine Verkehrspolitik des vergangenen Jahrhunderts und konterkariert die Klimaziele der Stadt Nürnberg.“

Die Kreisgruppe Nürnberg Stadt fordert stattdessen massive Investitionen in Straßenbahn, S-Bahn, Busverkehr, sichere Radwege, Stadtgrün, Entsiegelung und klimaresiliente Quartiersentwicklung. Nur eine echte Verkehrswende kann langfristig Emissionen senken, Flächenverbrauch reduzieren und die Lebensqualität der Nürnberger Bevölkerung verbessern.