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„Lange Tafel der Baukultur“ auf dem Grundstück der Baugemeinschaft REGEN406

Auftakt zu einem intensiven Dialog für eine ökologische und gemeinwohlorientierte Entwicklung

Pressemitteilung vom 23. Juni 2026

Am 19. Juni fand auf dem Grundstück des Wohnprojekts REGEN406 die „Lange Tafel der Baukultur“ statt. Die Veranstaltung ist Teil einer bundesweiten Initiative des Fördervereins bauKULTUR, die sich zum Ziel gesetzt hat, Baukultur vor Ort an besonderen Orten lebendig zu machen und Austausch und Vernetzung zu fördern.

Hintergrund unserer Veranstaltung in Nürnberg ist das eingeleitete Bebauungsplanverfahren Nr. 4696 für das Gebiet des ehemaligen August-Meier-Heims. Ziel des Verfahrens ist es, eine Nutzung für Wohnraum zu ermöglichen, eine maßvolle Erweiterung des Bestands zu prüfen sowie die vorhandenen Waldflächen und schützenswerten Gehölzbestände zu sichern.

Unter dem Motto „Unser Boden, unsere Chance“ informierten die Initiativen und Organisationen REGEN406, BauLust e.V., Olaf-Ritzmann-Kollektiv e.V. und BUND Naturschutz, Ortsgruppe Zabo/Gleißhammer die Öffentlichkeit über die Potenziale des 15 Hektar großen Areals. Gleichzeitig konnten interessierte Bürger*innen gemeinsam mit den beteiligten Gruppen Ideen austauschen, wie dieser Raum unter Berücksichtigung der vorhandenen ökologischen und historischen Ressourcen lebenswert bleibt.

Kein gewöhnliches Baugebiet

Auf einer eigens für den Tag aufgebauten „Langen Tafel“ befanden sich zahlreiche Informationen zu den Entwicklungspotenzialen für das Gebiet. Anwohner*innen aus benachbarten Wohngebieten sowie Vertreter von Stadt, Regensburger Viertel und dem Vorstadtverein Zerzabelshof tauschten ihre Ideen aus.

Bei den Organisatoren der „Langen Tafel“ bestand Einigkeit darüber, dass auf dem 15 Hektar großen Areal keine „gewöhnliche“ Wohnbebauung bzw. Nachverdichtung stattfinden darf. Das vorhandene baukulturelle Potenzial (siehe angefügte Zusammenfassung aus dem Bebauungsplan) erfordert andere Formen der Entwicklung, um ein gutes Miteinander im städtischen Umfeld zu fördern.

Dazu kommt die Verpflichtung der Stadt Nürnberg, ihr historisches NS-Erbe für künftige Generationen zu erhalten und als demokratischen Lernort erlebbar zu halten. Die Anlage ist im Grunde Teil des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes, das als Einzeldenkmal (BlfD D-5-64-000-2367) eingetragen ist und unmittelbar angrenzt. Diese Denkmalnähe zum Gelände selbst und die Tatsache der Einzeldenkmäler als Baugruppe, die unweigerlich mit der Entstehungshistorie dieses bundesweit einmaligen NS-Reliktes verbunden ist, muss gerade an dieser bedeutenden Stadtzufahrt in die Erinnerungskultur einbezogen werden. Daraus könnten sich auch funktionale Verknüpfungen zu touristischen oder Bildungseinrichtungen im Zusammenhang mit dem Dokumentationszentrum ergeben.

Die beteiligten Akteure fordern einen transparenten Dialog über die zukünftige Nutzung und Entwicklung der Flächen. Eine mögliche Veräußerung soll dabei nicht durch Verkauf, sondern im Erbbaurecht erfolgen, sodass die Flächen langfristig in öffentlicher Hand bleiben.

Im Idealfall wird die Gesamtfläche kleinteilig parzelliert. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass ein einzelner Investor die alleinige Planungs- und Gestaltungshoheit erhält. Darüber hinaus fordern wir die Stadt auf, die Öffentlichkeit frühzeitig und kontinuierlich durch geeignete Beteiligungsformate in den Prozess einzubeziehen.

Anstelle eines rein monetären Bieterverfahrens sollen Konzeptvergaben zum Einsatz kommen. Bei diesem Verfahren bewerben sich Genossenschaften, Investorinnen, Baugruppen oder Initiativen mit einem ausgearbeiteten Nutzungskonzept, das nicht allein am Höchstgebot, sondern an inhaltlicher und gestalterischer Qualität gemessen wird. Die Durchführung eines städtebaulichen Wettbewerbs schafft hierfür den notwendigen Rahmen und gewährleistet eine qualitätvolle Entwicklung der Flächen.

Zudem wird gefordert, dass die baulichen Vorgaben im Zuge der Anpassung des Bebauungsplans denkmalwertschätzend ausformuliert werden. Die Festsetzung einer ortsprägenden Dachform sowie eine Anlehnung der Neubauten an die vorhandenen Geschossigkeiten der umgebenden Bebauung werden dabei als obligatorisch erachtet.

REGEN406 – eine beispielhafte Entwicklung der vorhandenen Bausubstanz

Ein ideales Beispiel für eine mögliche Entwicklung ist das Wohnprojekt REGEN406. Das Gebäude in der Regensburger Straße 406, das einst von Nazis genutzt wurde, soll zu einem lebendigen Raum für Gemeinschaft, Toleranz und Kreativität werden. Das Haus wurde von REGEN406 über Erbpacht von der Stadt erworben. Durch die Kernsanierung des Hauses soll moderner Wohnraum für mindestens acht Parteien entstehen.

Damit ist es ein Vorzeigeprojekt und gutes Beispiel, wie auch mit den anderen unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden verfahren werden könnte.

Bei der Entwicklung der Bausubstanz sollten Aspekte der Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit (Belebung von Leerstand, ressourcenschonende Sanierung mit nachhaltigen Materialien) gleichermaßen berücksichtigt werden wie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und Begegnungsmöglichkeiten, die sozialen Zusammenhalt fördern.

Erhalt von Waldflächen, Biotopen und wertvollem Baumbestand unerlässlich

In Zeiten von zunehmender Hitze und Trockenheit ist der Erhalt der vorhandenen Waldgebiete entlang der Regensburger Straße und dem Bahngleis sowie des wertvollen Baumbestandes innerhalb des Geländes unverzichtbar. Die Durchgrünung des Areals leistet einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz und schafft eine hohe Aufenthaltsqualität.

Alle Beteiligten wünschen sich, dass die Stadt ihrer Ankündigung im Bebauungsplanentwurf nachkommt, wo es heißt: „Insgesamt wird dem Plangebiet vor allem durch den wertgebenden Gehölzbestand ein sehr hoher ortsbild- und quartiersprägender, ökologischer, sowie ökofaunistischer Wert verliehen. Auch die bioklimatische Wertigkeit des Plangebietes ist sehr hoch und wird im weiteren Verfahren berücksichtigt.“

Die Veranstalter sehen in dem eingeleiteten Bebauungsplanverfahren und der gemeinsamen Initiative zur „Langen Tafel der Baukultur“ einen Auftakt für einen intensiven Dialog mit allen Stellen, die an der Weiterentwicklung des 15 Hektar großen Areals beteiligt sind.


Pressemitteilung zum Download

„Lange Tafel der Baukultur“