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Bäume schützen Bürger*innen in Nürnberg vor Hitze

Die aktuelle Hitzewelle zeigt: Städte und Gemeinden brauchen mehr natürlichen Hitzeschutz. Bäume spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und tragen dazu bei, die Folgen zunehmender Hitze für die Bevölkerung abzumildern. BN fordert Sofortprogramm für Nürnbergs Bäume

Pressemitteilung vom 10. Juli 2026

Die anhaltende Hitze belastet derzeit viele Menschen in Nürnberg. Besonders in dicht bebauten Wohngebieten heizen sich Straßen, Plätze und Wohnungen stark auf und kühlen nachts oft nur langsam ab.

Ein wirksamer Schutz gegen Hitze im direkten Wohnumfeld sind Grünflächen, vor allem aber Bäume. Sie spenden Schatten und sorgen dafür, dass es unter ihrer Krone und im Umfeld spürbar angenehmer bleibt. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, dass sich die Umgebung weniger stark aufheizt. Gerade in dicht bebauten Stadtvierteln macht das an heißen Tagen und in warmen Nächten einen großen Unterschied.

Mathias Schmidt vom BN-Arbeitskreis Bäume in der Stadt erläutert die Problematik an einem konkreten Beispiel: „Angesichts der zu erwartenden künftigen zunehmenden Hitzebelastungen – insbesondere in der Altstadt – muss das aktuelle Konzept für den Umbau des Obstmarktes als Fehlplanung bezeichnet werden.“

„Es sollen zwar 48 neue Bäume gepflanzt werden, aber auch nach dem Umbau bliebt eine steinerne Oberfläche von über 90 Prozent bestehen. Angesichts der hohen Kosten von über zehn Millionen Euro und der jahrelangen Bauzeit kann dieses Ergebnis nicht überzeugen,“ so Schmidt. „Zu fordern wären weitere Bäume mit großen Baumscheiben (besser noch: zusammenhängende Pflanzstreifen), noch mehr beschattete Sitzplätze und weitere entsiegelte und bepflanzte Flächen.“

„Wir hoffen auch, dass Stadtspitze und Stadtrat sich an der Stadenstraße noch eines Besseren besinnen, die Tragfähigkeit der Ringbahnbrücken aufrüsten und damit eine Vielzahl alter Eichen erhalten.“

In Gegenden mit vielen Bäumen ist die Luft meist mehrere Grad kühler. Das hat eine BN-Untersuchung gezeigt, bei der Unterschiede innerhalb Münchens von bis zu 3°C messbar waren – jeweils im Schatten gemessen. Der BN hat 2019 außerdem eine Meta-Studie in Auftrag gegeben. Demnach liegt in mitteleuropäischen Großstädten die Temperatur im Jahresmittel etwa 2°C über der Temperatur im nicht bebauten Umland, wobei die Differenz in Sommernächten bis zu 15°C betragen kann.

BN fordert mehr urbane Stadtwälder

Die aktuelle Hitzewelle hat auch gezeigt, dass schon nach wenigen Tagen in Stadtteilen und Straßen mit starker Versiegelung und wenig bis gar keinem Grün in den Wohnungen und im Wohnumfeld nahezu unerträgliche Lebensbedingungen – zum Teil lebensbedrohliche Zustände – entstehen können. Die Rettungsdienste berichten von einer starken Zunahme von Einsätzen.

Auch BN-Vorsitzender Klaus-Peter Murwaski sieht viele Planungen kritisch: „Weitere Beispiele entgegen den Anforderungen des Klimawandels sind aus BN-Sicht der Nelson-Mandela-Platz, der Aufseßplatz und der Quelle-Park. Diese tragen aufgrund der vielen Versiegelungen nur unwesentlich zur Abkühlung bei, sondern stattdessen eher zur Erhitzung. Wir müssen aufhören, eine Vielzahl von Nutzungen auf unsere Plätze zu packen, wir brauchen die Kühlung durch möglichst dichten Baumbestand, gerade in den verdichteten Stadtvierteln innerhalb des mittleren Rings. Wünschenswert wäre zum Beispiel ein urbaner Stadtwald auf dem Keßlerplatz nach dem Vorbild der Place catalogne in Paris.”

Straßenbaumoffensive verstärken!

„Die sogenannte Straßenbaumoffensive der Stadt sieht vor, dass insbesondere im Süden und Westen der Stadt verstärkt Bäume in baumlosen Straßen gepflanzt werden. In der Kooperationsvereinbarung von CSU und SPD ist festgelegt, dass pro Jahr 1.000 neue/zusätzliche Straßenbäume gepflanzt werden sollen. Angesichts der dramatischen Änderungen des Stadtklimas sollte diese Zielvorgabe deutlich erhöht werden und auch die notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen dafür zu Verfügung gestellt werden“, so Mathias Schmidt.

Eine Studie der ETH Zürich, die Satellitendaten aus 293 europäischen Städten auswertet, zeigt zudem, dass städtische Grünanlagen mit Bäumen in Mitteleuropa einen zwei- bis viermal stärkeren Kühlungseffekt haben als Grünflächen mit Rasen, Wiese oder Beeten. Möglich wird das vor allem dadurch, dass Bäume Wasser aufnehmen und über ihre Blätter verdunsten. Deshalb ist es wichtig, vorhandene Bäume zu erhalten und neue zu pflanzen.

Baumschutz und Pflege verbessern!

„Wir sind dem Hitzeinseleffekt nicht schutzlos ausgeliefert. Mit mehr Grün, neuen Bäumen und zusätzlicher Verschattung lassen sich der Aufenthalt im Freien und auch das Wohnumfeld deutlich angenehmer gestalten. Gleichzeitig müssen wir den vorhandenen Baumbestand konsequent schützen und erhalten. Neu gepflanzte Bäume brauchen „ein halbes Menschenleben“, bis sie die ökologische und klimatologische Wirkung von alten Bäumen erreichen. Umso wichtiger ist es, den Altbestand wirkungsvoll zu schützen und zu pflegen. Hierzu braucht es dringend eine Novellierung der nicht mehr zeitgemäßen städtischen Baumschutzverordnung, einen wirkungsvollen Schutz von Bäumen bei Baumaßnahmen – mit entsprechenden Kontrollen – und die Stabilisierung und den weiteren Ausbau der Straßenbaumbewässerung“, erklärt Mathias Schmidt.