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Baumsterben in Zeiten der Dürre in Nürnberg

Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg: Bewässerung des Nürnberger Baumbestands muss höchste Priorität erhalten

Pressemitteilung vom 3. August 2026

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

der diesjährige Hitzesommer zeigt erneut in aller Deutlichkeit, was Klimaforscher seit Jahren vorhersagen: Extreme Hitzeperioden, Temperaturen von bis zu 40°C und lang anhaltende Dürre werden künftig nicht mehr die Ausnahme, sondern zunehmend die Regel sein.

Die Stadt reagiert darauf mit Wasservernebelungsanlagen und Trinkbrunnen. Diese Maßnahmen sind sinnvoll, bleiben aber letztlich der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Die wirksamste, nachhaltigste und zugleich kostengünstigste Klimaanlage einer Stadt sind große Bäume und zusammenhängende Grünflächen. Sie spenden Schatten, verdunsten Wasser, senken die Umgebungstemperatur um mehrere Grad und verbessern zugleich Luftqualität und Aufenthaltsqualität.

Deshalb muss Nürnberg deutlich mehr Flächen entsiegeln und jede vermeidbare Neuversiegelung unterlassen. Noch wichtiger ist jedoch der Erhalt des vorhandenen Baumbestands. Jeder alte Baum, der in der Dürre abstirbt, ist über Jahrzehnte hinweg nicht zu ersetzen.

Umso unverständlicher ist es, dass die Stadt beziehungsweise der Servicebetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SöR) die Bewässerung der Straßenbäume nach unseren Informationen von zehn auf nur noch drei Bewässerungsgänge reduziert hat. Damit werden die Folgen der Dürre und das Baumsterben zusätzlich verschärft. Wer derzeit aufmerksam durch Nürnberg geht, erkennt den schlechten Zustand vieler Straßenbäume sofort: Vertrocknete Kronen, abgestorbene Äste und frühzeitig braunes Laub sind unübersehbare Zeichen des Wassermangels.

Wir wissen, dass die Stadt vor erheblichen finanziellen Herausforderungen steht. Gespart werden darf jedoch nicht ausgerechnet bei den einzigen Maßnahmen, die dauerhaft und großflächig zur Abkühlung unserer Stadt beitragen. Der Erhalt eines ausgewachsenen Baums ist ökologisch und wirtschaftlich wesentlich sinnvoller als dessen spätere Fällung und teure Ersatzpflanzung. Auch sogenannte Pocketparks – etwa in der Frauenholzstraße – mögen im Einzelfall sinnvoll sein. Im Verhältnis zu ihren hohen Herstellungskosten erreichen sie jedoch bei weitem nicht die klimatische Wirkung eines
gesunden, flächendeckenden Straßenbaumbestands.

Besonders irritierend war folgende Beobachtung: Am 30. Juli 2026 gegen 8 Uhr waren am Prinzregentenufer Mitarbeiter des SöR damit beschäftigt, die Hecken auf den Baumscheiben der Platanen mit Motorsägen zurückzuschneiden und das dürre Laub mit lärmenden Laubsaugern zusammenzutragen. In einer Phase extremer Trockenheit drängt sich die Frage auf, warum diese personellen Kapazitäten nicht stattdessen für die dringend notwendige Bewässerung der Platanen eingesetzt werden. Eine solche Prioritätensetzung erscheint weder ökologisch noch wirtschaftlich nachvollziehbar.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, wir konnten im Wettbewerb zur Neugestaltung des Keßlerplatzes erneut erleben, dass Sie persönlich den hohen Wert großer Bäume für die nachhaltige Kühlung unserer Stadt erkannt und einem hervorragenden Entwurf zum Erfolg verholfen haben. Wir bitten Sie deshalb eindringlich, diese Haltung innerhalb der gesamten Stadtverwaltung und insbesondere gegenüber dem SöR zur Richtschnur des Handelns zu machen.

Derzeit kann man an vielen Stellen beobachten, wie die VAG ihre Gleisanlagen und das Schienenbitumen zur Kühlung bewässert. Umso widersprüchlicher wirkt es auf viele Bürgerinnen und Bürger, dass gleichzeitig die lebensnotwendige Bewässerung der Straßenbäume vielerorts kaum noch stattfindet.

Wir richten daher an Sie und den Stadtrat den dringenden Appell, der Bewässerung des gesamten Baumbestands im öffentlichen Raum – gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel – höchste Priorität einzuräumen. Der Schutz unserer Bäume ist kein Luxus, sondern eine der wichtigsten Zukunftsinvestitionen für Gesundheit, Lebensqualität und Klimaanpassung in Nürnberg.

Klaus-Peter Murawski
Staatsminister a. D.
1. Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V., Kreisgruppe Nürnberg