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Moorenbrunnfeld komplett unter Landschaftsschutz!

BUND Naturschutz fordert Verfahren zur Ausweisung des vollständigen Moorenbrunnfelds als Landschaftsschutzgebiet – einzigartige Insel der Natur und unverzichtbare Grünfläche für Bürger

Pressemitteilung vom 6. August 2026

BN und Bürgerverein gemeinsam für Schutz

Laut bayerischem Arten- und Biotopschutzprogramm (ABSP) ist das östliche Moorenbrunnfeld zwischen Langwasser, Altenfurt und Moorenbrunn eine landesweit bedeutsame Biotopfläche (Biotop Nr. 823). Seit den neunziger Jahren fordern Bürgerverein Südost und BUND Naturschutz gemeinsam die Erhaltung dieser wichtigen Freifläche. 2023 hatten die beiden Vereine einen Antrag eingebracht, auch das östliche Moorenbrunnfeld vollständig als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

Der Nürnberger Stadtrat hat dieses Anliegen erfreulicherweise unterstützt und die Stadtverwaltung hat ein Ausweisungsverfahren in die Wege geleitet. Mit großer Sorge hat der BUND Naturschutz nun erfahren, dass das bereits eingeleitete Verfahren zur Ausweisung des Moorenbrunnfelds als Landschaftsschutzgebiet grundlegend verändert werden soll. Künftig würden dann offenbar nur noch die im Eigentum der öffentlichen Hand befindlichen Flächen unter Schutz gestellt werden, während die im Eigentum des Siemens-Konzerns stehenden Grundstücke ausgenommen werden sollen. Dafür soll sogar ein neues Verfahren eingeleitet werden.

Der BUND Naturschutz bittet daher eindringlich, diesen Vorschlag der Verwaltung nicht zu unterstützen und das bereits beschlossene Verfahren zur Ausweisung des gesamten Moorenbrunnfelds unverändert fortzuführen.

Hohe Bedeutung für Klima und Artenschutz

Der Stadtrat hatte sich bewusst dafür entschieden, das gesamte Gebiet unter Schutz zu stellen. Dieser Beschluss wurde von den damaligen Kooperationspartnern CSU und SPD getragen. An den naturschutzfachlichen Grundlagen hat sich seitdem nichts geändert – vielmehr haben sie sich weiter verfestigt.

Das Moorenbrunnfeld zählt zu den ökologisch wertvollsten Freiflächen Nürnbergs. Bereits beim Geo-Tag der Artenvielfalt wurden dort 776 Tier- und Pflanzenarten, darunter 33 Arten der Roten Liste, nachgewiesen. Sandmagerrasen, Feuchtwiesen, Hecken und Einzelbäume bilden einen außergewöhnlich artenreichen Biotopkomplex. Große zusammenhängende Flächen sind dabei von entscheidender Bedeutung; eine Zerschneidung oder Herausnahme einzelner Bereiche würde den ökologischen Wert erheblich mindern.

Das Moorenbrunnfeld ist zugleich ein unverzichtbarer Bestandteil der SandAchse Franken und erfüllt wichtige Funktionen im Biotopverbund. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind auf diesen großräumigen Lebensraum angewiesen. Gerade deshalb muss das Gebiet als Einheit erhalten werden. „Mit seinen zahlreichen Sand-Grasnelken ist das Areal im Südosten Nürnbergs einzigartig“, unterstreicht BN-Biologe Wolfgang Dötsch.

Ebenso bedeutend ist seine Funktion für das Stadtklima. Als große unbebaute Freifläche wirkt das Moorenbrunnfeld als Kaltluftentstehungsgebiet und trägt wesentlich zur Abkühlung der angrenzenden Stadtteile Moorenbrunn und Langwasser bei. Angesichts zunehmender Hitzeperioden gewinnt diese Klimafunktion jedes Jahr weiter an Bedeutung. Gleichzeitig stellt das Gebiet eines der wichtigsten Naherholungsgebiete des Nürnberger Südostens dar und wird von vielen Bürgerinnen und Bürgern täglich genutzt. Diese Funktionen waren auch Grundlage des von der Stadt eingeleiteten Landschaftsschutzverfahrens.

Schafe als Landschaftspfleger

Von besonderer Bedeutung ist außerdem die inzwischen etablierte Schafbeweidung. Die Stadt Nürnberg selbst hebt hervor, dass die extensive Beweidung seltene Sandmagerrasen erhält, strukturreiche Lebensräume schafft und die Artenvielfalt fördert. Die Schafe sind damit ein wesentlicher Bestandteil der naturschutzfachlichen Pflege des Moorenbrunnfelds und zugleich ein besonderes Erlebnis für die Bevölkerung.

Es wäre deshalb ein schwer nachvollziehbarer Widerspruch, wenn einerseits öffentliche Mittel für die ökologische Pflege und Entwicklung des Gebiets eingesetzt werden, andererseits aber aus Rücksicht auf mögliche wirtschaftliche Interessen eines privaten Grundstückseigentümers auf dessen dauerhaften Schutz verzichtet würde. Grundsätzlich wurden der Firma Siemens Flächen des Staatsforsts überlassen, um hier hochwertige Arbeitsplätze anzusiedeln. Mit dem Wegzug der Firma ist dieses Anliegen nicht mehr gegeben. „Das Eigentum der öffentlichen Hand ist keine Spekulationsmasse. Wenn Flächen nicht mehr benötigt werden, sollte das Grundstücksgeschäft rückabgewickelt werden“, fordert BN-Vorsitzender Klaus-Peter Murawski.

Vollständiger Schutz für Moorenbrunnfeld!

Die Eigentumsverhältnisse dürfen auch für die Frage der Schutzwürdigkeit allgemein keine Rolle spielen. Das Bundesnaturschutzgesetz stellt ausschließlich auf die naturschutzfachliche Bedeutung eines Gebiets ab. „Gerade Landschaftsschutzgebiete umfassen oft private Grundstücke. Das ist bundesweit gelebte Praxis und kein Ausnahmefall. Es gibt keinen Grund, unsere Landwirte hier schlechter zu stellen als einen Weltkonzern“, unterstreicht Murawski.

Ein Herauslösen der Siemens-Flächen würde nicht nur die ökologische Qualität des Schutzgebiets erheblich schwächen, sondern auch einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Es entstünde der Eindruck, dass naturschutzfachliche Bewertungen hinter wirtschaftlichen Einzelinteressen zurücktreten müssen. Das würde das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in die Verlässlichkeit kommunaler Naturschutzpolitik nachhaltig beeinträchtigen.

Der BUND Naturschutz fordert daher von der Stadtverwaltung nachdrücklich,

  • das Verfahren zur Ausweisung des Landschaftsschutzgebiets in seiner ursprünglich beschlossenen Form fortzuführen,
  • die gesamte Fläche des Moorenbrunnfelds einschließlich der Siemens-Grundstücke unter Schutz zu stellen,
  • dem Stadtrat keine verkleinerte Schutzgebietslösung vorzuschlagen.

Das Moorenbrunnfeld ist das ökologische Tafelsilber des Nürnberger Südostens. Es verdient einen dauerhaften und vollständigen Schutz – nicht einen Schutz zweiter Klasse.