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Warum braucht Nürnberg nachts Flüge, die Stuttgart nicht braucht? BN fordert Kernnachtruhe am Flughafen

Der BUND Naturschutz Nürnberg fordert eine verbindliche Kernnachtruhe am Flughafen Nürnberg. Reguläre touristische und kommerzielle Flüge sollen zwischen 23 und 6 Uhr grundsätzlich nicht mehr stattfinden. Rettungsflüge, medizinische Notfälle, Organtransporte, Katastrophenschutz, hoheitliche Flüge sowie Not- und Ausweichlandungen bleiben selbstverständlich möglich.

Pressemitteilung vom 10. September 2026

„Warum braucht Nürnberg nachts Flüge, die Stuttgart nicht braucht? Diese Frage müssen Flughafen, Stadt Nürnberg und Freistaat Bayern endlich beantworten“, erklärt der Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Nürnberg Klaus-Peter Murawski.

Status quo

Der Vergleich mit Stuttgart macht den Erklärungsbedarf deutlich. Stuttgart hatte 2025 rund 9,6 Millionen Fluggäste und damit mehr als doppelt so viele wie Nürnberg mit rund 4,5 Millionen. Trotzdem dürfen zivile Strahlflugzeuge in Stuttgart grundsätzlich zwischen 23 und 6 Uhr nicht starten und zwischen 23:30 und 6 Uhr nicht landen. Nürnberg ermöglicht dagegen regulären Flugverkehr während der gesamten Nacht.

Das häufig vorgebrachte Argument, die nächtliche Betriebsbereitschaft sei für die Wettbewerbsfähigkeit Nürnbergs unverzichtbar, muss deshalb mit konkreten Zahlen belegt werden. Wenn Stuttgart trotz wesentlich größerem Verkehrsaufkommen und strenger Nachtflugbeschränkung wirtschaftlich betrieben werden kann, kann die Möglichkeit nächtlicher Touristenflüge in Nürnberg nicht einfach als wirtschaftliche Notwendigkeit vorausgesetzt werden.

Zumal der Airport Nürnberg keineswegs schrumpft: 2025 war mit 4.508.765 Passagieren das verkehrsstärkste Jahr seiner Geschichte. Das operative Ergebnis (EBITDA) erreichte 11,8 Millionen Euro, der Jahresfehlbetrag betrug nur noch rund 1,1 Millionen Euro.

Gleichzeitig nimmt der Nachtflugverkehr zu. Nach veröffentlichten Zahlen stieg die Zahl der Nachtflugbewegungen von 8.635 im Jahr 2023 auf 11.459 im Jahr 2025. Die Fluglärmkommission hat bereits eine deutliche Verringerung der Belastung gerade zwischen 0 und 5 Uhr gefordert.

Ein öffentliches Interesse

Dabei geht es nicht nur um Lästigkeit. Nächtlicher Fluglärm unterbricht den Schlaf und ist gesundheitsschädlich, insbesondere für Herz-Kreislauf-Kranke. Die Weltgesundheitsorganisation WHO misst deshalb dem Schutz vor nächtlichem Verkehrslärm besondere Bedeutung bei. Technisch leisere Flugzeuge lösen das Grundproblem nicht: Auch ein moderner Jet kann in einer ansonsten ruhigen Nacht ein deutlich wahrnehmbares Einzelereignis darstellen und Schlafreaktionen auslösen.

In Zeiten zunehmender Hitze müssen die Menschen nachts die Fenster öffnen und die kühlere Nachluft hereinlassen können, um gesund zu schlafen. Das verhindert der nächtliche Fluglärm und erzeugt durch die Hitze in den Räumen zusätzliche ernste Gefahren für die Gesundheit.

Der BN fordert deshalb eine Offenlegung der wirtschaftlichen Bedeutung der Kernnacht. Der Flughafen soll für die Zeit von 23 bis 6 Uhr veröffentlichen, wie viele Starts und Landungen stattfinden, wie viele davon touristische Passagierflüge, Fracht-, Geschäfts-, Rettungs- oder sonstige Flüge sind, wie viele Passagiere davon betroffen sind, welche Umsätze und Deckungsbeiträge diese Verbindungen tatsächlich erwirtschaften und welche Flüge ohne Verlust der Verbindung auf die Randzeiten verlagert werden könnten.

„Nicht die Anwohner müssen beweisen, dass sie nachts schlafen müssen. Wer reguläre Touristenflüge zwischen 23 und 6 Uhr für unverzichtbar hält, muss beweisen, dass sie unverzichtbar sind. Stuttgart zeigt, dass ein großer und erfolgreicher Flughafen mit einer weitgehenden Nachtruhe vereinbar ist.“

Unser Lösungsvorschlag

Eine Kernnachtruhe von sieben Stunden wäre ein maßvoller Kompromiss. Sie würde den Flughafen Nürnberg weder schließen noch in seiner Funktion als wichtiger Verkehrsknoten infrage stellen. 17 Stunden am Tag stünden weiterhin für den regulären Flugbetrieb zur Verfügung. Für medizinisch oder sicherheitsbedingt notwendige Flüge gäbe es Ausnahmen.

Der BN fordert deshalb Stadt Nürnberg und Freistaat Bayern als Gesellschafter des Flughafens auf, eine verbindliche Kernnachtruhe von 23 bis 6 Uhr auf den Weg zu bringen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Auswirkungen transparent untersuchen zu lassen.

Das Geschäftsmodell, Billigflieger mit dem nächtlichen Flugangebot nach Nürnberg zu holen, die Passagiere vor allem aus Ostdeutschland anziehen, geht zulasten der Gesundheit und des Wohlbefindens zehntausender Nürnberger Bürgerinnen und Bürger.

Die entscheidende Frage bleibt: Wenn Stuttgart mit 9,6 Millionen Passagieren nachts weitgehend Ruhe halten kann – warum soll das Nürnberg mit 4,5 Millionen nicht können?