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Pocketparks in Nürnberg – Entsiegelung, ökologische Wirksamkeit und wirtschaftlicher Mitteleinsatz

Offener Brief an den Oberbürgermeister Marcus König und die Stadträtinnen und Stadträte aller Fraktionen im Stadtrat Nürnberg

Pressemitteilung vom 3. November 2026

Sehr geehrte Damen und Herren,

die zunehmende sommerliche Hitzebelastung stellt die Stadt Nürnberg vor die Aufgabe, öffentliche Flächen so umzugestalten, dass sie zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Entsiegelung von Böden, die Schaffung zusammenhängender Vegetationsflächen und die Pflanzung dauerhaft lebensfähiger Bäume.

Vor diesem Hintergrund möchten wir die Gestaltung und Wirksamkeit der Nürnberger Pocketparks sowie den Umfang der dort eingesetzten finanziellen Mittel hinterfragen.

1. Entsiegelung und tatsächliche Begrünungswirkung

Pocketparks sollen insbesondere in dicht bebauten Stadtgebieten zusätzliche Grünflächen schaffen, Niederschlagswasser zurückhalten und durch Beschattung und Verdunstung zur Abkühlung beitragen.

Entscheidend ist dabei nicht allein die Anzahl neu gepflanzter Bäume, sondern auch der Anteil tatsächlich unversiegelter und begrünter Bodenflächen. Wasserdurchlässige Pflasterbeläge können zwar die Versickerung von Niederschlagswasser ermöglichen und damit gegenüber vollständig versiegelten Flächen Vorteile bieten. Sie erfüllen jedoch nicht sämtliche ökologischen Funktionen eines offenen, durchwurzelten und mit Vegetation bedeckten Bodens.

Insbesondere die Verdunstungskühlung durch Pflanzen, die Bodenökologie und die langfristige Entwicklung von Bäumen hängen wesentlich von geeigneten Standortbedingungen ab.

Es stellt sich daher die Frage, ob bei der Gestaltung der Nürnberger Pocketparks das vorhandene Potenzial zur Entsiegelung und Begrünung ausreichend ausgeschöpft wird.

2. Gestaltung der Breiten Gasse

Auch die Neugestaltung der Breiten Gasse wirft entsprechende Fragen auf. Die Stadt Nürnberg verweist auf neu gepflanzte Bäume, verbesserte
Baumstandorte und ein sogenanntes Klimaband mit wasserspeichernden und wasserdurchlässigen Pflastermaterialien. Diese Maßnahmen sind grundsätzlich zu begrüßen. Dennoch bleibt zu klären, welche tatsächliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Zustand erreicht wird.

Von besonderem Interesse sind dabei der Umfang der neu geschaffenen unversiegelten Flächen, die Größe der durchwurzelbaren Bodenräume sowie die nachweisbare Wirkung der eingesetzten Materialien auf Wasserrückhalt und Oberflächentemperaturen.

Eine nachvollziehbare Darstellung dieser Ergebnisse wäre wichtig, um die ökologische Wirksamkeit der Maßnahmen beurteilen zu können.

3. Pocketpark Frauenholzstraße – Kosten und Nutzen

Ein weiteres Beispiel ist der im April 2026 eröffnete Pocketpark an der Frauenholzstraße. Nach Angaben der Stadt Nürnberg belaufen sich die Gesamtkosten auf rund 739.000 Euro, davon rund 500.000 Euro Bundesfördermittel.

Auf einer Planungsfläche von etwa 1.250 Quadratmetern wurde die vorhandene Grünfläche erweitert. Zusätzlich zu drei bestehenden Bäumen wurden fünf weitere Bäume gepflanzt. Ein Entwässerungskonzept nach dem Schwammstadtprinzip soll die Versickerung von Niederschlagswasser verbessern.

Diese Maßnahmen stellen grundsätzlich eine ökologische Aufwertung dar. Angesichts der erheblichen Investitionssumme sollte jedoch transparent
dargestellt werden, welcher Anteil der Kosten auf Entsiegelung, Bodenverbesserung und Bepflanzung entfällt und welcher Anteil für Pflasterflächen, bauliche Gestaltungselemente und sonstige Arbeiten aufgewendet wurde.

Ebenso wäre von Interesse, wie viele Quadratmeter Boden tatsächlich entsiegelt wurden und welche zusätzlichen Vegetations- und Versickerungsflächen entstanden sind. Gerade angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt ist eine nachvollziehbare Bewertung des ökologischen Nutzens im Verhältnis zu den eingesetzten Mitteln erforderlich. Dies gilt unabhängig davon, ob die Finanzierung aus kommunalen Haushaltsmitteln oder aus Förderprogrammen erfolgt.

4. Anforderungen an zukünftige Pocketparks

Wir halten es deshalb für sinnvoll, bei der Planung und Bewertung von Pocketparks folgende Kriterien stärker zu berücksichtigen:

  1. Nachweisbare Entsiegelung: Dokumentation der tatsächlich entsiegelten Flächen in Quadratmetern und ihres Anteils an der Gesamtfläche
  2. Vorrang für Vegetationsflächen: Prüfung, in welchem Umfang befestigte Flächen durch offene, begrünte Böden ersetzt werden können, soweit Barrierefreiheit, Erschließung und andere notwendige Nutzungen dies zulassen
  3. Dauerhaft geeignete Baumstandorte: Nachweis ausreichend großer durchwurzelbarer Bodenräume sowie einer gesicherten Wasser- und Luftversorgung
  4. Überprüfung der klimatischen Wirksamkeit: Bewertung der Auswirkungen auf Regenwasserrückhalt, Beschattung und sommerliche Wärmebelastung
  5. Transparente Kostenaufstellung: Offenlegung der wesentlichen Kostenpositionen und Prüfung, ob alternative Gestaltungskonzepte bei vergleichbarem Mitteleinsatz eine höhere ökologische Wirkung erzielen könnten

Eine solche Bewertung würde ermöglichen, die Ergebnisse verschiedener Projekte miteinander zu vergleichen und zukünftige Investitionen gezielter einzusetzen.

Ziel sollte sein, dass Pocketparks nicht nur gestalterisch aufgewertet werden, sondern einen möglichst großen, nachvollziehbaren Beitrag zur Entsiegelung und Verbesserung des Stadtklimas leisten.


Pressemitteilung zum Download

Pocketparks in Nürnberg