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Von Beos und Schabrackentapiren

Zahlreiche Interessierte lockte unser Referent Christian Dienemann vom Nürnberger Tiergarten am Montag, den 8.3.2021 vor die Rechner. Es war der erste Vortrag unserer digitalen Vortragsreihe des Arbeitskreises Forum International vom BUND Naturschutz Nürnberg.

08.03.2021

Indonesien. Der Inselstaat in Südostasien weist aufgrund seiner äquatorialen Lage und des tropischen Klimas eine sehr hohe Biodiversität auf. Auf der anderen Seite ist das Land der viertbevölkerungsreichste Staat der Welt. Starkes Bevölkerungswachstum, Zersiedelung sowie wirtschaftliche Interessen der Industrie bedrohen Flora und Fauna. Die junge Bevölkerung sucht ökonomische Perspektiven. Die Rodung von Urwäldern ist eine gängige Praxis, um neues Ackerland für z.B. Ölpalmen zu schaffen. Das daraus gewonnene Palmöl, welches in vielen unserer Lebensmittel wie z.B. Schokolade, Margarine und Fast Food enthalten ist, ist besonders lukrativ. Ölpalmen erzielen den höchsten Ertrag an Pflanzenöl im Verhältnis zur bebauten Fläche. Der Boden des Regenwaldes verfügt im Vergleich zu unseren heimischen Böden über eine nur sehr dünne Humusschicht. Das liegt an der schnellen Zirkulation der Nährstoffe. Da die Böden nach wenigen Erntezyklen unbrauchbar werden, drängt der Mensch den Regenwald immer weiter zurück. Folglich wird das biologische Gleichgewicht gestört und viele Pflanzen und Tiere verlieren ihre Lebensgrundlage.

Der Schabrackentapir – bei Schabracke denkt so manch einer an eine unangenehme Person, in diesem Fall ist aber das Fellmuster des Tapirs in Form einer Satteldecke (= Schabracke) gemeint – ist eine dieser bedrohten Arten. Da Indonesien vorwiegend muslimisch bevölkert ist, wurde der Schabrackentapir lange von der Jagd verschont, da dieser für einen Verwandten des Schweins gehalten wurde. Seitdem klar ist, dass er aus der Familie der Nashörner stammt, wird auch der Schabrackentapir vermehrt gejagt – was diese Art zusätzlich bedroht. Bei diesem Säugetier handelt es sich um eine sogenannte „umbrella species“, im Deutschen sagt man „Flaggschiffart“. Bewahrt man eine dieser Arten, rettet man zusätzlich andere, die damit im Zusammenhang stehen. Somit erhalten Zoos wie der Tiergarten Nürnberg den Auftrag, solange unsere Welt das Artensterben vorantreibt, diese Arten zu züchten und bei Bedarf auszuwildern. Dabei sorgt eine Vernetzung von Zoos dafür, dass eine möglichst hohe Genvielfalt erhalten bleibt. Bei aller Kritik, die sich um Tiergärten dreht, sorgen sie dennoch für den Erhalt bedrohter Tiere und leisten somit ihren Beitrag zum Artenschutz.

Christian Dienemann machte auch auf die Aktivität eines Artenschutzprojekts namens „Silent Forest“ aufmerksam. Vögel wie der Beo werden in Südostasien verstärkt gejagt und in Großstädten als Singvögel auf Märkten angeboten. Damit bedienen die Einwohner von Megastädten wie Jakarta die Sehnsucht nach Urwaldstimmung in der Stadtwohnung. Ein anderer Trend ist es, einen Vogel zu kaufen und dann wieder freizulassen. Was sich erst mal nach einer Heldentat anhört, birgt Gefahren: Längst werden auch exotischere Vogelarten etwa aus Afrika importiert. Wenn diese dann in Südostasien freigelassen werden, kommt es zur sogenannten Faunenverfälschung, was das empfindliche Gleichgewicht der Biotope stören und zu weiterem Artensterben führen kann. Silent Forest (bezieht sich auf einen stillen Wald ohne Vögel) ist ein Zusammenschluss aus Projekten zur Erhaltung und Erforschung tropischer Singvögel und unterstützt zoointerne und -externe Zuchtprojekte. Private Züchter eignen sich besonders gut für den Erhalt einiger bedrohter Arten. Dabei verfügen die Halter über ein spezialisiertes Know-how und sind daher enorm wichtig.

In der an den Vortrag anschließenden Fragerunde wurde über mögliche Lösungsansätze diskutiert: Letztendlich müssen wir nicht tatenlos zusehen, wie der Mensch die Schätze der Natur unwiederbringlich vernichtet. Mit unserem Konsumverhalten können wir unseren Teil dazu beitragen, indem wir genau hinsehen, ob unsere Produkte aus nachhaltigen Quellen kommen oder nicht. Bio-, Fairtrade- und FSC-Siegel sowie das Lieferkettengesetz sind sicher nicht perfekt, aber ein Anfang. Wenn diese Produkte gekauft werden, zeigt das der Industrie und der Politik, dass wir sehr wohl Verantwortung übernehmen wollen. Genaues Hinsehen ist wichtig, Information und Recherche elementar. Christian Dienemann machte uns darauf aufmerksam, wenn Palmöl verboten wird, welches enorm ertragreich ist, wird es nur durch eine andere Pflanze ersetzt, welche dann auch noch mehr Fläche verbraucht. Das Vordringen und Eingreifen des Menschen kontaminiert empfindliche Ökosysteme in einem Ausmaß, wie wir uns es kaum vorstellen können. Bevölkerungswachstum in Schwellenländern und Drittweltstaaten bekämpfen ist eine Lösung, die praktisch kaum anwendbar ist, zudem dort die heimische Bevölkerung einen viel geringeren Pro-Kopf-Verbrauch an Ressourcen aufweist als z.B. die europäische. Besser wäre mehr Bildung und Forschung zu fördern und vor allem das Bewusstsein, dass Macht – in diesem Fall die Macht der Verbraucher – immer auch Verantwortung mit sich bringt.

Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Dienemann für einen spannenden Abend.

Am Montag, den 26.4.2021 können Sie sich schon auf den nächtsten Teil unserer digitalen Vortragsreihe mit dem Thema „Plastikmüll in den Meeren – Auswirkungen und Lösungsansätze“, referiert von Dr. Bernhard Bauske, Projektkoordinator Meeresmüll beim WWF, freuen.

Das Team vom Arbeitskreis Forum International des BN Nürnberg
Simon Rederer