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Pressemitteilung 24/2003

Der Mauersegler in Nürnberg: Ein Projekt des Bund Naturschutz

Der Mauersegler ist Vogel des Jahres 2003. Der Bund Naturschutz möchte den Bestand des Flugkünstlers in Nürnberg sichern. Die rege Beteiligung der Bevölkerung am Projekt lässt für die Zukunft hoffen.

Das Projekt wird bei der Öffentlichkeitsarbeit von der Agenda-Gruppe „Der Mauersegler in Nürnberg“ und finanziell von der „Zukunftsstifung der Stadtsparkasse Nürnberg für die Stadt Nürnberg“ unterstützt.

Das Projekt

Erstmalig in diesem Jahr wurden vom Bund Naturschutz, Kreisgruppe Nürnberg, die Brutplätze des Mauerseglers, Vogel des Jahres 2003, in der Stadt Nürnberg registriert und überprüft. Die Mauersegler nisten sehr versteckt in Ritzen und Spalten von Gebäuden, meist im oder unter dem Dach. Da sie sich nur für kurze Zeit am Nest zeigen, ist die Erfassung der Mauersegler-Brutplätze nur unter Mithilfe der Bevölkerung leistbar.

Vorkommen des Mauerseglers

Die Mauersegler sind ursprünglich Bewohner von Felswänden und Baumhöhlen. Sie folgten den Menschen in die Städte. Heute trifft man den beinahe gänzlich schwarzen Vogel vor allem in großen Städten an. Somit ist er als echter Kulturfolger auf die Akzeptanz und den Schutz durch die Bevölkerung angewiesen.

Schutzstatus

Der Mauersegler ist ein gesetzlich geschützter Vogel. Laut § 42 Bundesnaturschutzgesetz ist es untersagt, Wohnstätten besonders geschützter Tiere zu zerstören.

Gefahr durch Sanierung

Mauersegler können bis zu 20 Mal am gleichen Ort brüten. Sie treffen jedes Jahr Anfang Mai in Deutschland ein. Bis Ende Juli haben die Tiere die Aufzucht des Nachwuchses bereits abgeschlossen und kehren in ihre Winterquartiere nach Afrika zurück. Das Überleben der Tiere hängt also vom Bruterfolg in dieser kurzen hochsensiblen Phase ab.

Werden die gewohnten Nistplätze z. B. durch dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen verschlossen, kann aufgrund ihrer stark ausgeprägten Ortstreue der Bruterfolg einer ganzen Saison in Frage stehen. Schon die Einrüstung eines Hauses verhindert den Nestbau, da die An- und Abflugschneise versperrt ist. Wird das Haus Ende Juni mit einem Gerüst versehen, müssen die Jungen in den Nestern verhungern. Sanierungsarbeiten dürfen daher im Zeitraum von Mai bis August nicht durchgeführt werden.

Risikobereiche sind aufgrund des hohen Sanierungsbedarfs vor allem Nürnberg-Südstadt, St. Johannis und Wöhrd.

Erster Überblick

Die Aufnahme der Daten stützte sich auf Beobachtungen aus der Bevölkerung. Aufgrund der erfreulich hohen Resonanz, es sind ca. 300 Meldungen eingegangen, konnte bereits im ersten Projektjahr ein Überblick über die Mauersegler-Populationen in Nürnberg gewonnen werden. Es wurden ca. 600 Brutpaare gezählt.

Schwerpunkte der Verbreitung liegen u. a. in Gostenhof, St. Johannis, Maxfeld und Langwasser.

Zweite Projektphase: Suche nach Kooperationspartnern

Im Herbst startet die zweite Phase des Projekts „Mauersegler in Nürnberg“: Brutplätze sollen bei Haussanierungen erhalten und bei Neubauten bereits eingeplant werden.

Der Bund Naturschutz bietet Hausbesitzern eine kostenfreie Beratung zur mauersegler-gerechten Hausrenovierung an und beschafft auch gerne die erforderlichen Nisthilfen.

Der Erfolg für den Mauersegler hängt jetzt in starkem Umfang von möglichen Projektpartner ab, die sich bereit erklären, Verantwortung für Naturschutz in der Stadt zu übernehmen.

Drei Projekte in Nürnberg konnten bereits erfolgreich mit Mauersegler-Nisthilfen ausgestattet werden (1 Gebäude der Eisenbahner-Wohnbau-Genossenschaft, 1 Gebäude der Genossenschaft Gartenstadt und ein privates Gebäude).

Als größten künftigen Projektpartner freut sich der Bund Naturschutz, die wbg-Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Nürnberg mbH (wbg Nürnberg) begrüßen zu dürfen: Nach ersten Gesprächen ist die wbg Nürnberg bereit, bei Sanierungsmaßnahmen am Wohnungsbestand und auch bei Neubauten, Möglichkeiten des Mauersegler-Schutzes zu prüfen. Die wbg Nürnberg übernimmt damit auch eine Vorbildfunktion für andere Unternehmen der Wohnungswirtschaft.

Ausblick auf die Weiterführung des Projektes

Die Erfassung der Brutplätze des Mauerseglers ist äußerst arbeitsintensiv und zeitaufwendig. Um die Standorte sicher zu bestimmen, sind oft mehrere Begehungen notwendig. Es ist daher unerlässlich, die Datenerfassung auch in den kommenden Jahren fortzuführen.

Daneben müssen weitere Kooperationspartner, Firmen aber auch Verbände, wie der Grund- und Hausbesitzerverein oder die Altstadtfreunde, für den Erhalt der geschützten Tiere gewonnen werden.