MenuKreisgruppe Nürnberg StadtBUND Naturschutz in Bayern e. V.

Pressemitteilung 8/2004

BN schlägt Alarm!

Neue Hafenanbindung bedeutet Bannwald-Kahlschlag

Parteien und Bürgerverein fordern neue Straßen zum Hafen. Doch südlich der A73 liegt eine der wertvollsten Natur- und Naherholungs-landschaften des Stadtgebiets. BN fordert Abwicklung des LKW-Verkehrs über die bestehenden Anschlüsse und Entlastung des Marthwegs.

Malerisch liegen die Tümpel des einzigen eigenständigen Nürnberger Naturschutzgebiets „Sandgruben am Föhrenbuck“ direkt angrenzend an die Einmündung Wiener Straße / Marthweg. Vor zwölf Jahren wurde das 21,3 ha große Sandgrubenareal als einzigartiges Refugium für die Natur gesichert. 34 Tier– und Pflanzenarten der Roten Liste wurden von Experten hier nachgewiesen. Mit dem Status „Bannwald“ und „Landschaftsschutzgebiet“ ist das Gebiet sogar dreifach geschützt.

Direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite schloss bis zu seiner tragischen Auflösung 1997 das zweite Naturschutzgebiet „Königshof“ an. Noch heute sind die Flächen Landschaftsschutzgebiet und zum Teil Bannwald.

Wo Nürnbergs gebeutelte Natur ausnahmsweise einen wirksamen Schutz genießt, fordert Nürnbergs Politik und Verwaltung ohne mit der Wimper zu zucken Straßenbau. Ob Tunnelanbindung zur A73, LKW-Overfly zur Anschlussstelle Königshof oder einfach Kreisverkehr am Ostende der Wiener Straße, alle Varianten müssen gravierend eingreifen und eine hochsensible Naturlandschaft zerstören.

Etwa 2,5 km würde sich der Overfly durch Bannwald und Naturschutzgebiet ziehen. Etliche Hektar Bannwald müssten der Asphalttrasse geopfert werden. Auf zwei Kilometer schätzt der BN die Länge des Tunnels durch den Bannwald. Die Anknüpfung zur Wiener Straße müsste etwa da erfolgen, wo Entengraben und Ottergraben im ehemaligen Naturschutzgebiet Königshof zusammenfließen. Unverantwortbare Eingriffe in den Grundwasserhaushalt wären die Folge.Gravierend sind zudem auch die Nachteile für die Naherholung. Als nächster, Frischluft produzierender Wald zur hochbelasteten Südstadt ist das Gebiet zwischen den Anschlussstellen auch von den Menschen insbesondere an den Wochenenden frequentiert. Unzählige Radfahrer und Fußgänger nutzen den alten Kanal als Ausfallroute in den Süden. Die Zubringer zum LKW-Overfly würden ihn massiv entwerten. Auch die große Kleingartenkolonie Königshof hätte dann weitere Asphalttrassen direkt vor der Haustür. Zahlreiche Wanderwege, Wanderparkplätze und Radwege, wie der Burgenradweg, müssten dem Bauwerk weichen oder die Wanderer müssten an vier Stellen die Straße gefährlich überqueren.

Angesichts dieser erschreckenden Tatsachen können aus Sicht des BN nur folgende Konsequenzen gezogen werden:

1.      Eine weitere Attraktivitätssteigerung für den umweltschädlichen LKW-Verkehr, wie der geforderte Hafenring, darf nicht zugelassen werden. Das Hafengebiet ist mit drei Anschlüssen an Schnellstraßen bereits jetzt im Vergleich zu anderen Häfen optimal erschlossen. Der mögliche 6-streifige Ausbau der A6 mit Overfly und der A73 wird die Erreichbarkeit des Hafens weiter steigern. Der LKW-Verkehr darf nicht über Bannwald und Naherholungsgebiet abgewickelt werden.

2.      Statt weiterem Straßenbau muss endlich auf die umweltverträglichen Verkehrsträger Schiene und Wasser gesetzt werden. Für deren Nutzung hatte man ja ursprünglich eine Wald- und Kulturlandschaft größer als die Nürnberger Altstadt geopfert.

3.      Statt einer LKW-Trasse durch den Bannwald ist eine verkehrstechnische Optimierung der bestehen Anschlüsse (Anschlussstelle Hafen Ost, Kreuz Hafen, Einmündung Frankenschnellweg/Wiener Straße) anzustreben. Eine Regelung des hafeninternen Verkehrs z.B. über Schleifenlösungen oder den frühzeitigen Bau der Tampastraße zur Entlastung der Hafenstraße würde ebenfalls manchen Stau beseitigen.

Die Lawine des Gewerbeverkehrs muss strikt von Natur und Naherholung getrennt werden. Die Trennungslinie ist eindeutig der RMD-Kanal. Königshof und Naturschutzgebiet Föhrenbuck brauchen unsere Hilfe – jetzt!