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Straßenbaumbericht 2012

Anmerkungen der Projektgruppe Straßenbäume des BN Nürnberg zum Straßenbaumbericht, vorgestellt im SÖR-Werkausschuss am 23.4.2013

1. Vorbemerkungen

Im Vergleich zum Vorjahresbericht ist der Bericht über das Jahr 2012 wesentlich knapper und übersichtlicher ausgefallen.

Gemessen an den Gesamtaufgaben von SÖR stellen die Straßenbäume nur einen kleinen Bereich dar. Dass ihnen dennoch nun durch die jährliche Berichterstattung seit 2005 gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist anerkennenswert – und auch ein Ergebnis der unermüdlichen Lobbyarbeit der Projektgruppe Straßenbäume.

SÖR hat in den vergangenen Jahren, unterstützt durch die „Politik“ und durch großzügige Spenden (Sparkasse Nürnberg!), erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Situation der Straßenbäume in Nürnberg zu verbessern.

Teilerfolge sind erkennbar. Insbesondere ist die „Kraftanstrengung“ hervorzuheben, innerhalb von drei Jahren einen Teil der verwaisten Baumstandorte innerhalb und außerhalb des Mittleren Rings wieder zu bepflanzen. Damit werden aber lediglich Versäumnisse der Vergangenheit ausgebügelt (man hätte es nicht erst zu 1.420 verwaisten Baumstandorten kommen lassen dürfen, von denen heute nur noch 50 bis 60% nutzbar sind!).

Die bekannten „großen Baustellen“ bei SÖR in Bezug auf die Straßenbäume bleiben aber bestehen. Sie sind bereits in unserer Stellungnahme zum Bericht 2011 aufgeführt.

2. Bestand an Straßenbäumen

Mit nunmehr rund 28.000 statistisch erfassten Straßenbäumen ist Nürnberg im Vergleich zu anderen Großstädten nicht nur „unterdurchschnittlich“ ausgestattet, wie es im Bericht heißt, sondern trägt nach wie vor die rote Laterne.

Insbesondere innerhalb der Kernstadt (innerhalb des mittleren Rings) bestehen gewaltige Defizite.

Ein Gesamtkonzept und ein Programm zur systematischen Behebung dieses Defizites gibt es weiterhin nicht.

Ansatzpunkte hierfür gibt es genug, beispielweise das Grün- und Freiraumkonzept für die Weststadt, das im letzten Jahr vorgelegt und diskutiert wurde. Entgegen der immer wieder kolportierten Mär, dass sich innerhalb der Kernstadt nicht genügend neue Standorte für Straßenbäume finden lassen, wurde in diesem Konzept dargelegt, dass sich in der Weststadt genügend zusätzliche Bäume unterbringen lassen (~ 500!).

Leider wurde versäumt, hierfür in den Haushaltsberatungen für 2013 Mittel zur Verfügung zu stellen.

Eine Trendwende wird sich erst erreichen lassen, wenn die vorliegenden Pläne endlich sukzessive in die Tat umgesetzt werden.

Ersatzpflanzungen:

Auf die beachtlichen Anstrengungen von SÖR in diesem Zusammenhang wurde bereits hingewiesen. Hierzu noch drei Anmerkungen:

  • Das Pflanzprogramm für 2014 ist noch nicht finanziert.
  • Was passiert nach 2014, wenn die Sonderfinanzierungen nicht mehr zur Verfügung stehen?
  • Wird bei SÖR ein Wiederbepflanzungsmanagement bei Baumfällungen eingeführt? Dieses wäre dringend nötig, um eine wiederum unerfreuliche Zunahme verwaister Baumstandorte nach 2014 zu vermeiden.

Neupflanzungen:

Diese erfolgen bekanntlich bisher ganz überwiegend nur im Zusammenhang mit Straßenumbau- und Straßenneubaumaßnahmen. Die für 2012 ausgewiesenen Neupflanzungen (72) und die für 2013 angekündigten (133) befinden sich überwiegend (55 bis 65 %) außerhalb der Kernstadt.

3. Baumunterhalt/Baumpflege

Eine flächendeckende systematische und den fachlichen Anforderungen an den nachhaltigen Erhalt der Straßenbäume gerecht werdende Baumpflege findet in Nürnberg weiterhin nicht statt. Hierzu würde u.a. die schon mehrfach angekündigte Jungbaumpflege (bis 25 Jahre) zählen.

Die im Bericht ausgewiesenen Mittel für Baumpflege in Höhe von rd. 325.000 Euro werden fast ausschließlich im Zusammenhang mit Verkehrssicherungsaufgaben (Kronenschnitt, Totholzentfernung etc.) verwendet.

Letztlich führt dieser Mangel zu einem schleichenden Substanzverlust im Bestand – die bestehenden Ressourcen werden nicht wirtschaftlich genutzt.

Baumscheibenpflege:

Hierzu hat SÖR im März 2011 ein umfassendes Konzept vorgelegt.

Angesichts der angemessenen, aber auch beachtlichen Kosten p.a. (über 1 Mio. Euro), ist dieses Konzept offensichtlich wieder in der Versenkung verschwunden. Im Straßenbaumbericht 2012 sind für die Baumscheibenpflege lediglich rd. 95.000 Euro ausgewiesen. Mit lediglich 3,40 Euro pro Baum und Jahr lässt sich leider nur oberflächliche Kosmetik betreiben. Diese war zwar im Stadtbild sichtbar, kann aber nicht als nachhaltig bewertet werden.

Baumschutz:

Wie bereits im letzten Jahr müssen wir feststellen, dass die Baumschutzverordnung, die auch für Straßenbäume gilt, nur in Ausnahmefällen beachtet wird. Die vielfältigen Zweckentfremdungen der Baumscheiben (Lagerplatz für gelbe Säcke, Abstellplatz für Mülltonnen, Parkplatz für Fahrzeuge aller Art, Hundeklo, Baustelleneinrichtungs- und Lagerplatz bei Baumaßnahmen im Verkehrsraum etc.) schaden letztlich der Vitalität der Bäume, beeinträchtigen das Stadtbild und mindern die Wertschätzung für die Bäume in der Stadt.

Der Bericht enthält hierzu keine Hinweise. SÖR ist das Problem bekannt.

Dringend nötig wären Aufklärungsaktionen (wie sie z.B. zur Zeit vom BN mit einer Plakataktion durchgeführt werden) und vor allem auch Baustellenkontrollen. Nicht schaden würde es auch, wenn SÖR bei eigenen Baustellen mit gutem Beispiel voranginge.

Weitere aktuelle Informationen zu den Straßenbäumen im Raum Nürnberg finden Sie hier.