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ICE-Werk contra Bannwald und Orchideen

Die Deutsche Bahn plant im Reichswald zwischen Fischbach und Altenfurt ein neues ICE-Werk. Mit bis zu 460.000 Quadratmetern Fläche stellt es einen der größten Waldeingriffe der letzten Jahrzehnte dar. BN-Orchideenwiese stünde vor der Vernichtung

Grundsätzlich freut sich der BUND Naturschutz über den Ausbau des Nah- und Fernverkehrs auf der Schiene. Dass technisch aufwendige ICE-Züge auch eine entsprechende Wartung brauchen, ist im Naturschutzverband unumstritten. Die Planung für ein neues ICE-Ausbesserungswerk im Reichswald entlang der Regensburger Straße ist jedoch auch für viele Bürger und Naturfreunde erschreckend.

Zwei Varianten

Die DB hat im Oktober 2020 nun zwei Planvarianten vorgelegt, die sich deutlich im Flächenbedarf unterscheiden, aber beide massiv in den Reichswald eingreifen.

Bei der aus Sicht der Bahn optimalen Variante würde sich das Werk auf 460.000 Quadratmetern Fläche und auf einer Länge von über 4 Kilometern entlang der bestehenden ICE-Trasse erstrecken. Hier greift das Werk auch großflächig in den Bannwald südöstlich von Fischbach ein (Landkreis Nürnberger Land).

Die flächensparende Variante (380.000 Quadratmeter) beginnt mit den zugehörigen Gleisen ebenfalls im Wald östlich der geplanten IKEA an der Regensburger Straße, konzentriert aber die zentrale Bebauung mit Halle und eigentlichem Werksgelände nordwestlich des Fischbacher Bahnhofs. Dazu müsste dann die Regensburger Straße in den Wald Richtung Fischbach verlegt werden.

Hohe Wertigkeit

Der betroffene Wald ist überwiegend als Bannwald und als europäisches Vogelschutzgebiet (SPA-Gebiet) ausgewiesen. Ein kleiner Teil ist auch Landschaftsschutzgebiet. Im westlichen Abschnitt beider Varianten befindet sich auf einer Lichtung das BN-Biotop „Orchideenwiese Langwasser“. Hier schützt die BN-Ortsgruppe unter Leitung von Richard Stry einen der wenigen größeren Standorte des Gefleckten Knabenkrauts. Der Wald ist also von hoher Wertigkeit und eigentlich streng geschützt.

Der BUND Naturschutz fordert daher im Raumordnungsverfahren 2021 auch andere Standorte offen zu diskutieren und sich nicht vorab auf eine Reichswaldrodung festzulegen.

Kontrapunkt zum Klimaschutz

Allgemein geben die zahlreichen erfolgten und geplanten Eingriffe in diesem Bereich dem BUND Naturschutz zu denken. Neben dem Bau der ICE-Strecke Ingolstadt/München wurden große Waldgebiete geopfert:

  • für den Ausbau des Autobahnkreuzes Nürnberg Ost (ca. 15 ha),
  • für die Rodung des Postgeländes (über 20 ha),
  • für das Asphaltmischwerk am Südklinikum,
  • für die Bebauung im Bereich des August-Meier-Heims (über 4 ha)
  • für den Ausbau der A6

Auch ein geplanter Radschnellweg und das Velodrom südlich der Liegnitzer Straße gehen auf Kosten von Naturflächen. Insgesamt summieren sich alle Verfahren auf eine Größe von deutlich über einem Quadratkilometer.

„Wenn wir Wald und Biotope hier weiter in dieser Geschwindigkeit vernichten, werden die Stadtteile im Südosten in absehbarer Zeit kaum noch Grün vor der Haustür haben“, mahnt der stellvertretenden BN-Vorsitzende Oliver Schneider. „Von einer Trendwende zu mehr Klimaschutz und zu mehr Bäumen in der Stadt kann keine Rede sein.“

Dabei geht es aus Sicht des BUND Naturschutz auch anders. Immerhin hat die DB riesige Teile ihres Schienensystems in Nürnberg in den letzten Jahrzehnten aufgegeben. „Hier müssen Potenziale geprüft werden. Ein vergleichbares ICE-Ausbesserungswerk in Köln (Nippes) ist in die Bebauung integriert und hat nur den halben Platzbedarf (230.000 Quadratmeter)“, argumentiert Oliver Schneider.

Pressemitteilung als PDF zum Download