Stellungnahme zum Straßenbaumbericht 2016

Am 21.7.2017 wurde der aktuelle Straßenbaumbericht im Werkausschuss von SÖR behandelt.

Bäume in der Altstadt
Baumfällungen
28.07.2017

1. Vorbemerkung

Die jährliche Berichterstattung über die Situation der Straßenbäume in Nürnberg wurde von der Projektgruppe Straßenbäume des BN Nürnberg im Jahr 2003 angeregt; dazu wurden Vorschläge für die Gliederung des Berichts unterbreitet. Der erste Straßenbaumbericht wurde von der Verwaltung (seinerzeit Gartenbauamt) für das Jahr 2004 vorgelegt.

Straßenbäume sind per Definition Einzelbäume im öffentlichen Verkehrsraum, die im Straßenbaumkataster der Stadt Nürnberg erfasst sind.

Auf dieser Basis wurden von der Projektgruppe Straßenbäume auch mehrere Städtevergleiche durchgeführt (zuletzt auf der Basis der Daten des Jahres 2013), die jeweils zu dem Ergebnis führten, dass Nürnberg unter den verglichenen 15 Städten das Schlusslicht bildete. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Von der Verwaltung wird immer wieder ins Feld geführt, dass es neben diesen kartierten Straßenbäumen noch rund 50.000 Bäume gibt, die sich in „flächenhaften waldähnlichen Beständen entlang der Straßen“ befinden, die „noch nicht kartiert“ sind. Bäume dieser Art (zumal auf Schätzwerten beruhend) sind per Definition keine Straßenbäume und der Hinweis darauf stellt keine solide Datenbasis dar, um die Entwicklung des Bestands von Jahr zu Jahr zu verfolgen.

2. Situationsbericht Straßenbäume 2016

2.1. Statistik

Zitat Straßenbaumbericht 2016: „Zum 31.12 2016 wurden im Straßenbaumkataster 29.847 Straßenbäume gezählt.“
Zitat Straßenbaumbericht 2015: „Zum 31.12.2015 wurden im Straßenbaumkataster 29.812 Straßenbäume gezählt.“   
(jeweils Kapitel 2 der Straßenbaumberichte)
Bilanz auf dieser Basis: Zwischen 2015 und 2016 beträgt der Zuwachs an Straßenbäumen 35 Exemplare!

In den weitergehenden Erläuterungen zur Bilanz der Straßenbäume in Kapitel 2.6 des Straßenbaumberichts 2016 wird nun erstmalig seit Beginn der Berichterstattung 2004 unterteilt in „Straßenbäume an Einzelstandorten“ und „erfasste Straßenbäume in flächenhaften waldähnlichen Beständen“.
Zu den 21.589 kartierten Bäumen an Einzelstandorten werden nun noch 8.258 „erfasste Straßenbäume in flächenhaften waldähnlichen Beständen“ hinzugerechnet.
Die Herkunft dieser Daten wird nicht erläutert und das Ergebnis ist nicht nachvollziehbar.

Verwunderlich ist auch, dass bereits im Bericht für 2015 rund 50.000 „nicht kartierte Bäume in flächenhaften Beständen“ angegeben werden und nun im Bericht für 2016 immer noch rund 50.000 nicht kartierte Bäume genannt werden, obwohl nun in die Bilanz 8.258 erfasste Bäume aus flächenhaften Beständen eingehen.

„Unterm Strich“ bleibt es aber beim Saldo bei einem Zuwachs von lediglich 35 Bäumen – auch wenn SÖR bei den Einzelstandorten eine Mehrung von 256 Bäumen ausweist.
(Wenn man ganz spitz rechnet und die „neu erfassten/kartierten (159) Bäume zum 31.12.2016“ – die ja nicht neu gepflanzt wurden, sondern lediglich neu in die Datei aufgenommen wurden – aus der Bilanz herausnimmt, ergibt sich im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 124 Bäumen!)
Vorschlag: SÖR sollte zu einer nachvollziehbaren und belastbaren Datenbasis zurückkehren.

2.2. Neupflanzungen 2016

Neupflanzungen werden von SÖR bislang ganz überwiegend nur im Zusammenhang mit Straßenum- und -neubaumaßnahmen durchgeführt.
Der Liste der Neupflanzungen ist zu entnehmen, dass diese Maßnahmen nahezu ausschließlich außerhalb des mittleren Rings durchgeführt wurden (Langwasser, Fischbach, Katzwang, Reichelsdorf etc.); zum Teil sind es auch Ausgleichs- oder Ersatzpflanzungen (z.B. Bielefelder Straße im Zusammenhang mit der U-Bahnerweiterung) oder Maßnahmen, für deren Realisierung vorher viele Bäume gefällt wurden (Beispiel Kreisverkehr Wiener Straße: Bevor die 27 Bäume gepflanzt wurden, wurde ein großes Stück Wald  – 100 bis 200 Bäume – gerodet).
Nur in Ausnahmefällen wurden Bäume innerhalb des mittleren Rings gepflanzt.
Gerade hier, im hochverdichteten Kern der Stadt, wo auf einer Fläche von zwölf Prozent des Stadtgebiets fast fünfzig Prozent der Einwohner leben, wären zusätzliche Bäume dringend erforderlich – nicht zuletzt um dem Klimawandel zu begegnen und die Lebensqualität der Bewohner zu verbessern.
Diese Notwendigkeit ist unbestritten, aber nach wie vor fehlt für die Pflanzung von Straßenbäumen innerhalb des mittleren Rings ein Konzept.

2.3. Baumpatenschaften

Bisher sind 905 Baumpaten registriert. SÖR schreibt selber, dass dies insgesamt sehr erfreulich ist, aber „immer noch mehr sein könnte“.
Dem ist zuzustimmen. Aber dann müsste SÖR auch mehr Werbung für diese Sache betreiben, z.B. eine breite und länger angelegte Kampagne und nicht nur sporadische Einzelaktionen.

Informationen zu Baumpatenschaften finden Sie hier.

2.4. Bewässerung der Straßenbäume

Die Ausfälle von Straßenbäumen durch die vorangegangenen trockenen und heißen Sommer (Klimawandel!) sind im Straßenbild unübersehbar. SÖR spricht von einem „Schädigungsumfang“ von rund einem Prozent. Das wären etwa 300 Straßenbäume, die in den nächsten Jahren aus Mangel an Wasser absterben. In Wahrheit werden es vermutlich viel mehr sein, schätzungsweise drei bis fünf Prozent.
Vor diesem Hintergrund ist es sehr erfreulich, dass SÖR ein professionelles Bewässerungskonzept auf die Beine gestellt hat und sukzessive auch den dafür nötigen „Fuhrpark“ aufbaut.
Es ist für den Baumfreund nicht einzusehen, dass im Winter für die freie Fahrt der Bürger mit dem Auto ein gewaltiger Apparat an Personal, Geräten und Maschinen (Winterdienst) vorgehalten wird und hierfür Millionen Euro ausgegeben werden und im Sommer mangels Geld und Kapazitäten der Bestand an wertvollen Bäumen gefährdet wird.
Bislang beinhaltet das Bewässerungskonzept von SÖR nur die Altstadt, einige Plätze in der Kernstadt, Brennpunkte in der Nordstadt und Gostenhof und den mittleren Ring. Erreicht werden ca. 2.600 Straßenbäume.
Die Bitte und Aufforderung an die Stadt ist, dass die Bewässerung der Straßenbäume zügig ausgeweitet wird und damit im Sommer eine weitaus größere Zahl von Bäumen erreicht wird als bisher – hin zu einem effizienten Sommerdienst.

Den Straßenbaumbericht können Sie hier herunterladen.

Kontakt

Mathias Schmidt
AK Bäume in der Stadt