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Pressemitteilung 34/2009

Haus für Kauz und Fledermaus

Die Nordanbindung des Flughafens bedroht massiv die uralten Eichen rund um Ziegelstein. Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz bringen daher entlang des Waldlehrpfades Nistkästen für besonders bedrohte Tierarten an. Kletterteam für Waldkauz-Kästen

Älter als 200 Jahre sind viele Baumriesen der Ziegellach. Die knorrigen Eichen mit ihren vielen Höhlen und Spalten sind ein Eldorado für Vögel und Fledermäuse. Doch Eingriffe, wie die Nordanbindung des Flughafens, drohen den alten Bäumen das Wasser abzugraben. Dabei hatte sich bereits während des U-Bahnbaus das Grundwasser massiv abgesenkt, weshalb viele alte Eichen heute mutmaßlich stark geschädigt sind. Auch aufgrund der Verkehrssicherung entlang der vielbegangenen Waldwege wurde in den letzten Jahren manch markanter Baum niedergestreckt. Die flächenhafte Rodung der Bäume im Sicherheitsbereich des Flughafens unterbindet das dringend notwendige Nachwachsen neuer Höhlenbäume auf Generationen.

Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz haben daher in den letzten Jahren etliche Nistkästen entlang des Lehrpfades in der Ziegellach aufgehängt, um alternative Quartiere zu bieten. Nun kamen am Wochenende weitere Nisthilfen für besonders bedrohte Tiere hinzu.

Die massigen Nistkästen für den Waldkauz (Strix aluco) müssen von einem speziellen Kletterteam in bis zu 15 m Höhe angebracht werden. Da die Vögel mehr als ein halbes Kilo wiegen können, sind gängige Meisenkästen für sie natürlich drastisch zu klein. Allerdings finden sich kaum noch natürlich Baumhöhlen dieser Größe. Die mittelgroßen Eulen bevorzugen als Lebensraum zudem reich strukturierte Landschaften, mit Freiflächen und Baumgruppen. Der Kauz ist daher kein reiner Waldbewohner und könnte sich in der Ziegellach wohlfühlen. Die Tiere ernähren sich vor allem von Mäusen, bisweilen auch von anderen Vögeln.

Die seltene Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus) ist die kleinste Fledermaus Mitteleuropas und bildet in der Ziegellach Wochenstuben für ihre Nachkommen. Dafür werden speziell große Nistkästen aufgehängt, die zahlreichen Tieren Platz bieten. Erst im Jahr 2000 wurde diese Art übrigens entdeckt. Vorher hielt man die Tiere für die nahe verwandte, aber etwas größere Zwergfledermaus, die zudem deutlich häufiger ist. Das Vorkommen in der Ziegellach ist daher auch wissenschaftlich bemerkenswert. Beim Säubern der alten Nistkästen wurden überraschend für Anfang Dezember auch 15 Abendsegler entdeckt. Ein Beleg, dass die bisherigen Nistkästen hervorragend angenommen wurden.